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Nordkreis Wenn der Neffe anruft und Geld braucht
Landkreis Nordkreis Wenn der Neffe anruft und Geld braucht
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00:17 26.12.2018
Wer will denn was aus München von mir? Diese im Internet eingegeben zeigt, dass es sich um ein Gewinnspiel-Anruf handelt. Man sollte einfach wieder auflegen, rät die Polizei. Quelle: Nadine Weigel
Cölbe

Ach ja, diese Trickbetrüger. Furchtbar. Man hört ja so viel. Aber dass man selbst Opfer werden könnte, weist man schnell von sich. Wer soll denn meine Nummer haben? – Weit gefehlt. Weil die Tricks, wenn sie denn einmal erfolgreich angewandt werden, für den Betrüger gerne mal Summen im vier- bis fünfstelligen Bereich einbringen, ist die Chance, dass sie ­irgendwann eingestellt werden, sehr gering. Auch wenn viele Menschen die Warnungen bald nicht mehr hören können, es gibt immer noch genügend potenzielle Opfer, die davon einfach noch nichts mitbekommen haben.

Erst in dieser Woche berichtete die Marburger Polizei von einem Fall, bei dem eine Frau aus Amöneburg immerhin 200 Euro verlor, in dem Glauben damit einen Gewinn über 153 000 Euro auszulösen. Eine andere­ Frau aus der Großgemeinde Cölbe hat mittlerweile einschlägige Erfahrungen. Im vergangene Jahr wurde sie Opfer des etwas abgewandelten Enkeltricks. „Als mich ein junger Mann anrief, dachte ich, es ist einer ­meiner Neffen. Dummerweise nannte ich einen Namen und fragte, ob er es sei.

Bundesweite Betrügereien

Der Anrufer bejahte“, erzählt sie. Dann tischte­ ihr der vermeintliche Neffe, der weiter weg wohnt, eine coole­ Geschichte auf, sagte, dass er ­eine Eigentumswohnung in Marburg kaufen wolle und gerade beim Anwalt sitze und zur Sicherung des Kaufs eine Summe von 15 000 Euro hinterlegen soll, die er aber nicht dabeihabe. Ob sie ihm wohl aushelfen könne. Die Frau sagte, dass sie kein Geld habe und „schwupp“ war der Anruf beendet. „Damit wurde ich uninteressant für den Betrüger“, mutmaßt sie. Der ­betreffende Neffe hatte sie jeden­falls nie in einer solchen Angelegenheit angerufen. Dieser Anruf ereignete sich ungefähr vor einem Jahr.

Und jetzt am vergangenen Dienstag klingelte bei der Frau um 10.20 Uhr das Telefon. Sie war aber nicht da, sah später nur die ihr unbekannte Nummer aus München in der Liste der verpassten Anrufe. „Ich habe die Nummer einfach im ­Internet eingegeben und erfahren, dass es sich dabei um ein Gewinnspiel handelt. Und dann lese ich am Donnerstag in der OP über den teilweise erfolgreichen Telefonbetrug mit einem Gewinnspiel. Ich bekam am Dienstag noch einen zweiten Anruf.Die Nummer begann mit 0043, kam also aus Österreich, ganz so wie in dem Fall der Frau aus Amöneburg. Ich habe irgendetwas von einem Rechtsanwalt und einer Kanzlei verstanden, aber dann gleich wieder aufgelegt.“ Auch diese Nummer gab ich im Internet ein und erfuhr so, dass es sich auch um ein Gewinnspiel handelt“, sagt sie.

Ein Blick ins Internet zeigt: Die Nummern wirken bundesweit. Einige Opfer hinterlassen kurze Kommentare, warnen davor, sich in Gespräche einzulassen. Auf solche Betrugs-Anrufe könne sie sehr gerne verzichten, freue sich aber jederzeit über ­einen Anruf eines echten Neffen, fügt sie an.

Die falsche Polizei

Den Fall von vor einem Jahr hatte sie der Polizei gemeldet. Jetzt war es ihr ein Anliegen, ihre Erfahrungen den OP-Lesern zu schildern, damit diese nicht auch Opfer von Betrügern am Telefon werden.
Auch die Polizei wird nicht müde, auf Telefon-Betrügereien hinzuweisen. Polizeisprecher­ Martin Ahlich hatte dabei in der Vergangenheit auch von ­abgewandelten Formen berichtet, etwa dass sich der Anrufer selbst als Polizist ausgibt und so versucht, das Vertrauen seines Opfers zu gewinnen.

Dabei erzählen die Anrufer­ den Menschen am anderen Ende, dass sie Opfer eines Betrügers werden sollen, die Polizei aber schon davon wisse und dem Betrüger jetzt eine­ Falle stellen wollen, um ihn bei der Tatausübung zu schnappen. Dabei werden ganz beiläufig die Werte im Haus abgefragt, mit dem Hinweis, diese doch aus Sicherheitsgründen bei der ­Polizei in Verwahrung zu geben. Dann sei höchste Vorsicht angebracht, betonte Ahlich immer wieder.

Wer einen solchen Anruf erhält, sollte sich sofort mit der echten Polizei in Verbindung setzen und keinesfalls mit den Nummern, die man im Gespräch durchgesagt bekommt, die allesamt überall hinführen, aber eben nicht zur echten ­Polizei.

  • Die echte Polizei in Marburg ist übrigens immer erreichbar unter Telefon 0 64 21 / 406-0.

von Götz Schaub