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Besondere Ehrung für Namenspatron

Bronzerelief gestiftet Besondere Ehrung für Namenspatron

Egino Weinert zählt zu den bedeutendsten Goldschmieden, Bildhauern und Malern der zeitgenössischen sakralen Kunst. Kurz vor seinem Tod 2012 entwarf er aus Freundschaft noch ein Bronzerelief - für die Calderner Kirche.

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Dieses Bronzerelief eriinnert nun an den Namensgeber der Nikolaikirche in Caldern.

Caldern. Egino Weinert hat in 70 Jahren sakrale Kunstwerke für viele, zumeist katholische Kirchen im In- und Ausland geschaffen. Er arbeitete für mehrere Päpste und lernte während seiner Auftragsarbeiten unter anderem Marc Chagall in Metz und Pablo Picasso in Barcelona kennen.

Wie kommt nun ein Kunstwerk eines solchen Mannes in die Nikolaikirche in Caldern?

Pfarrer Marian Zachow kennt die Geschichte, die zu diesem hoch geschätzten Kunstwerk führte. Bei einer Kirchenführung für eine Besuchergruppe, die der Calderner Heimatforscher Heinz Loth im Beisein von Zachow leitete, wurde die Frage nach einer Darstellung des Namensgebers der Kirche gestellt. Nein, so etwas habe man nicht, war die Antwort. Ein katholisches Ehepaar aus Marburg, dem die evangelische Kirche offenbar gefiel, hatte da eine Idee. Das Paar fragte bei einem ihrer Freunde nach, einem gang bestimmten Freund: Egino Weinert in Köln. Dieser, mittlerweile über 90 Jahre alt, sagte dem Paar zu, helfen zu wollen und entwarf ein Bronzerelief. Doch dann starb Egino Weinert. Erst im Folgejahr nahm sich sein Sohn der Arbeit an und vollendete sie mit dem Guss. Das Ehepaar übernahm das Relief und stiftete es der Kirchengemeinde Caldern. Und mehr noch, die Kirche erhielt vom Marburger Ehepaar zwei weitere, etwas kleinere Reliefs aus der Hand von Egino Weinert gestiftet. Alle drei Werke fanden nun in der Turmkapelle der Kirche ihren Platz und wurden aufwendig und diebstahlsicher an der Wand befestigt. Das Nikolaus-Relief zeigt zentral eine Darstellung des Bischofs Nikolaus von Myra, dem Namensgeber der Kirche. Zudem sind drei Szenen aus den Geschichten, die über den Bischof erzählt werden zu sehen. Dabei handelt es sich um die armen Schwestern, die vom Bischof Geld geschenkt bekamen, um die Seefahrer, die aus Seenot gerettet werden und um unschuldige Gefangene, die der Bischof vor Bestrafung bewahrt. Dem Relief gegenüber hängen die zwei anderen. Das eine zeigt Abraham auf der Wanderschaft, als ihm drei Engel begegnen, die er zunächst als drei Männer wahrnimmt, das andere zeigt eine Familie. „Beide Arbeiten stehen sinnbildlich für die Gastfreundschaft der offenen Kirchen“, sagt Zachow. Die drei Kunstwerke fügen sich in das Gesamtbild der Kirche hervorragend ein.

„In Caldern war es von je her den Kirchenvorständen und den Pfarrern ein Anliegen, den ursprünglichen Charakter der romanischen Kirche zu erhalten, gleichzeitig aber zeitgenössischer Kunst Platz zu geben“, sagt Zachow. Zeugnisse moderner Kunst in der Kirche sind die bunten Kirchenfenster von Erhardt Klonk (1898 bis 1984) sowie die knapp ein Meter hohe bronzene Marienfigur des französischen Künstlers Francois Brochet (1925 bis 2001).

 

Am Nikolaustag, 6. Dezember, wird das Relief im Mittelpunkt eines Gottesdienstes in der Nikolaikirche stehen, der um 17 Uhr beginnt und für „Große und Kleine“ gedacht ist, so der Pfarrer.

Hintergrund: Egino Weinert kam 1920 in Berlin-Schöneberg zur Welt. Am 4. September 2012 starb er in Frechen-Königsdorf. Dass dem Künstler ein so langes Leben beschieden war, war während des Zweiten Weltkrieges nicht absehbar. Schon einmal 1941 wegen des Verweigerns des Hitlergrußes verhaftet, diente er dann doch als Soldat der deutschen Marine. Wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt, stand er schon kurz vor seinem Tod, konnte aber vor der Todesurteil-Vollstreckung entkommen. Fortan versteckte er sich vor den Nationalsozialisten. Nach Kriegsende kehrte er nach Berlin ins Elternhaus zurück. Dort verlor er durch eine als Elektrosicherung getarnte Sprengfalle seine rechte Hand und war damit für seine weitere Arbeit als Goldschmied gehandicapt. Doch er lernte schnell und gut, seine künstlerische Arbeit mit seiner linken Hand fortzusetzen.

Drei Briefmarken des Vatikanstaates aus dem Jahr 2001 zeigen jeweils Kunstwerke von Weinert.

von Götz Schaub

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