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Nordkreis Fahrer nach sieben Monaten U-Haft frei
Landkreis Nordkreis Fahrer nach sieben Monaten U-Haft frei
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00:19 03.12.2018
Bis vergangene Woche wurde der Angeklagte in Handschellen in den Gerichtsaal geführt. Mittlerweile hob die Kammer den Haftbefehl auf. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Im Oktober vergangenen Jahres kam es an der Kreuzung Brunnenstraße/Auf der Hube zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Autofahrern: Einer ignorierte ein Stop-Schild und nahm einem anderen Wagen die Vorfahrt. Der konnte im letzten Moment noch ausweichen und somit einen Zusammenprall verhindern. Dennoch sei der Vorfahrt-Dieb ausgeflippt, aus seinem Wagen gestiegen und mitten auf der Kreuzung auf ihn losgegangen, teilten der Betroffene und dessen Ehefrau, damals Beifahrerin, vor Gericht mit.

Der Zeuge sprach von einer „unangenehmen Begegnung“ und glaubt, den Angeklagten als Täter wiedererkannt zu haben. Ganz sicher war er sich vor Gericht nicht mehr. Zumindest war der Wagen auf den Beschuldigten zugelassen, ob er diesen selber gefahren und ihn angegriffen hatte, oder einer der Mitarbeiter des Geschäftsmannes, steht nicht sicher fest. Während des Gerangels zwischen beiden Männern, versetzte der Angreifer dem Zeugen grundlos mehrere Kopfstöße, schubste und beleidigte ihn. „Er war wie im Rausch, ich war überrascht über die Brutalität.“

Urteil wird am 6. Dezember erwartet

Nach dem Übergriff zeigte der Zeuge den Angeklagten an – das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt, der Konflikt dennoch im aktuellen Fall wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht aufgegriffen, auch um die Vergangenheit des Beschuldigten sowie sein bisheriges Verhalten im Straßenverkehr zu beleuchten. Dem 55-Jährigen wird vorgeworfen, am 15. April mit seinem Kleinwagen mit Tötungsabsicht in eine Menschenmenge auf der Cölber Hauptstraße gefahren zu sein.

Er soll in der Absicht gehandelt haben, einen Unfall herbeizuführen, ist wegen vierfachen versuchten Totschlags, Körperverletzung und gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr angeklagt. Seit dem Vorfall saß der Mann in Untersuchungshaft. Vergangene Woche entschied das Gericht, dass er vorerst wieder auf freien Fuß kommt und keine Fluchtgefahr noch andere Bedenken gegen seine Freiheit vorliege.

Hinter der Fahrt steht ein jahrelanger Zwist zwischen der Familie des Angeklagten und der Gegenseite. Beide Parteien geben der jeweils anderen die Schuld an der Eskalation auf der Straße. Der Angeklagte pocht in der Sache auf eine Nothilfe-Situation, wollte angeblich seinen Sohn vor der Menge schützen. Das Gericht versucht seit zwölf Verhandlungstagen die Verhältnismäßigkeit der Situation zu ermitteln, ob eine Gefahr, eine Notwehr-Lage, vorlag oder nicht. Am 6. Dezember wird das Urteil erwartet.

von Ina Tannert