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Nordkreis Auswanderer sahen keine Perspektive
Landkreis Nordkreis Auswanderer sahen keine Perspektive
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19:53 25.10.2010
Im Hintergrund am Tisch sitzend, verfolgen die australischen und amerikanischen Gäste gemeinsam mit anderen Geschichtsinteressierten den Vortrag von Professor Siegfried Becker. Quelle: Elvira Rübeling

Münchhausen. Nun waren sie bereits zum dritten Mal in Münchhausen zu Gast und mit ihnen kamen auch Leslie und Skip Althaus, Sue Heimburger (geb. Althaus) und Joane Harris (Althaus) in den „Forellenhof“.

Vor etwa fünf Jahren hatten Annette und Terence Irvine begonnen, nach ihrem Vorfahren Wilhelm Berghöfer aus Münchhausen, dem Ururgroßvater von Terence, der sich im Jahr 1854 in Australien angesiedelt hatte, zu forschen.

Mit ihm waren zwischen 1850 und 1890 allein aus Münchhausen rund 250 Personen in die Vereinigten Staaten von Amerika und nach Australien ausgewandert. Was war der Grund, warum junge Männer, Witwen, Waisen und gar ganze Familien ihre Heimat verließen?

Zur Klärung dieser Frage, mit der sich auch die Nachfahren der damaligen Auswanderer immer wieder beschäftigt hatten, hatte Initiator Holger Durben vom Arbeitskreis Ahnenforschung Münchhausen den Experten und Professor Dr. Siegfried Becker vom Institut für Europäische Ethnologie an der Philipps-Universität Marburg, eingeladen.

Mehr als sechzig Gäste verfolgten im „Forellenhof“ mit großem Interesse seinen kulturgeschichtlichen Ausführungen, die die Beweggründe der Auswanderung aus dem damaligen Kurhessen aufzeigten.

Bitterste Armut und Hunger, die Aussicht der nicht Erstgeborenen, ihr kärgliches Dasein als Magd oder Knecht fristen zu müssen, Bevölkerungswachstum und Elendsalkoholismus, Militärzwang und politische Unzufriedenheit führten in erster Linie dazu, dass die Menschen Kurhessen sowohl auf legalem als auch illegalem Weg verließen.

Nähere Informationen sind in den „Hessischen Blättern“ für Volks- und Kulturforschung in den Bänden Hessische Amerikaauswanderung „Der große Aufbruch“, „Fremde Nachbarn“ und „Zuwandern, Einleben, Erinnern“ zu finden. Auskünfte sind auch über das „Kirchliche Zentralarchiv“ in Kassel möglich.

von Elvira Rübeling

Mehr lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP.