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Aus den „Moddern“ von 1902 wurde die Frauenhilfe

110-jähriges Bestehen Aus den „Moddern“ von 1902 wurde die Frauenhilfe

Am Sonntag feierte die Frauenhilfe in Münchhausen ihr 110-jähriges Bestehen mit Festgottesdienst und anschließendem Kaffeetrinken.

Münchhausen. Die Frauenbeauftragte im Sprengel Wal-deck-Frankenberg, Pfarrerin Andrea Wöllenstein, ehrte die Frauen, indem sie sie in ihrer Predigt in Anlehnung an einen Abschnitt aus der Bergpredigt als „das Salz in der Gemeinde“ bezeichnete. Der Abschnitt „Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt“ steht auch auf der Urkunde, die sie der Frauenhilfe im Namen der Landeskirche überreichte.

Zur Feier des Tages sang der Kirchenchor Münchhausen-Wollmar unter der Leitung von Annedore Lichtenfels, außerdem die Frauenhilfe selbst. Statt der Orgel sorgte während des Gottesdienstes der Posaunenchor Wollmar-Münchhausen für festliche Begleitung. Pfarrer Friedhelm Wagner gedachte der Geschichte der Frauenhilfe. 1887 wurde in Berlin ein evangelisch-kirchlicher Hilfsverein gegründet, der Bedürftige unterstützte. Die Helfer waren vor allem Frauen, daher „Frauenhilfe“. „Männer lassen sich eher helfen“, scherzt Gertrud Mengel während des Gottesdienstes.

In Marburg entstand ein „Vaterländischer Frauenverein“, der 1897 für die Gründung einer Diakonissenstation in Münchhausen sorgte. Zwei Schwestern arbeiteten in der Gemeinde, die eine rief einen Kindergarten - damals Kinderschule genannt - ins Leben, die andere pflegte die Kranken. 1902 gründete eine der Schwestern einen „Mütterverein“, deren Mitglieder auch „die Moddern“ genannt wurden, ab 1934 jedoch offiziell „Frauenhilfe“.

„Als Mutter sind mir christliche Haussitte und christliche Erziehung meiner Kinder heiliger Dienst. Alle Aufgaben der christlichen Gemeinde will ich gerne mittragen“, liest Gertrud Mengel aus den Zielsätzen der Frauenhilfe um 1930 vor. Die Frauen halfen einander auch gegenseitig, so gab es einen „Säuglingskurs“ für junge Mütter, bei dem sie beispielsweise das Wickeln übten.

Auch heute sind die Mitglieder der Frauenhilfe füreinander da. Wenn eine krank ist, bekommt sie Besuch von den anderen. Wenn eine stirbt, singen die Frauen bei der Aussegnung am Trauerhaus. Regelmäßig singt die Frauenhilfe auch bei Gottesdiensten im Altenheim in Wetter. Ernst Boltner, der Geschäftsführer der Altenhilfe Wetter, würdigte die Frauenhilfe mit einem Geschenk und sagte, dass für die Senioren die Verbindung nach draußen sehr wichtig sei und die Frauenhilfe zeigen würde: „Ihr seid uns noch was wert“. „Die freuen sich wer weiß wie“, bestätigt Ursula Funk.

29 Frauen sind dabei - doch es fehlt am Nachwuchs

Bei ihren wöchentlichen Treffen gibt es mit Pfarrer Wagner eine Andacht, sie singen, lesen und besprechen Bibeltexte. Wenn die Frauen danach unter sich sind, sprechen sie über Persönliches, tauschen sich aus. „Eine Frau sagte mir eben, wenn sie zum Treffen der Frauenhilfe komme, sei ihr Kopf oft voller Gedanken. Danach gehe sie entspannt nach Hause“, erzählt Wagner.

Auch in der Gemeinde helfen die Frauen. Vor wenigen Wochen unterstützten sie die Landfrauen beim Herbstmarkt und letztes Jahr kümmerten sie sich um ein neues Samtkostüm für einen zweiten Nikolaus im Dorf. Und wenn der Pfarrer fragen würde, ob sie die Fenster der Gemeinderäume putzten, dann würden sie das auch machen, sagt Gertrud Mengel und Pfarrer Wagner lacht.

Was den Mitgliedern der Frauenhilfe besonders gut gefällt, ist die Gemeinschaft, die sie in ihr gefunden haben. „Wir machen wunderschöne Ausflüge“, sagt Elisabeth Berghöfer. In einer Korbflechterei in Sterzhausen waren sie im Sommer, auch den Wetzlarer Dom und das Nationalpark-Zentrum Kellerwald haben sie schon besichtigt.

29 Mitglieder zählt die Frauenhilfe. Doch viele könnten aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr kommen, so seien sie nur noch um die 20, sagt Ursula Funk. Viele Frauen hielten sich noch für zu jung für die Frauenhilfe, meint Gertrud Mengel. Sie selbst ist mit 71 Jahren noch eine der Jüngsten. Der Nachwuchs macht den beiden Frauen schon ein bisschen Sorgen.

von Freya Altmüller

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