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Auf den Spuren der Auswanderer

Familienforschung Auf den Spuren der Auswanderer

Was ging wohl in den Köpfen jener Menschen vor, die vor rund 160 Jahren ihre Heimat Münchhausen gen Amerika verließen, wissend diese niemals wiederzusehen?

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Die Landschaft um Münchhausen wird von den amerikanischen Nachfahren Münchhäuser Auswanderer sehr geschätzt.

Quelle: Elvira Rübeling

Münchhausen. Unter den Auswanderern war auch der Ururgroßvater von Richard Althaus. Die Suche nach seinen deutschen Wurzeln, aber auch die große Gastfreundschaft der Münchhäuser, hat Richard Althaus und seine Frau Lesli diesmal zusammen mit Arthur und Olga Ladenburger nun schon zum dritten Mal in die Heimat seiner Urahnen geführt. Die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsverein und die Mitglieder der großen Althaus-Familie bereiteten ihren Gästen wieder einen liebevollen Aufenthalt.

Nach wie vor interessieren sich die amerikanischen Gäste dafür, warum ihre Vorfahren ihre Heimat verließen und auch dafür wie sie damals in Münchhausen gelebt haben. Zu diesem Thema referierte in der Gaststätte „Forellenhof“ Professor Siegfried Becker vom Institut für Europäische Ethnologie an der Philipps Universität Marburg bereits zum dritten Mal.

Das Entziehen einer weiteren, wichtigen Lebensgrundlage, der zu dieser Zeit schon ohnehin bitterarmen und notleidenden Bevölkerung, mag den einen oder anderen auch dazu bewogen haben, sich der großen Auswanderungswelle in Oberhessen um 1850 anzuschließen.

Der Kampf um den Wald, hatte Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen. Die Waldwirtschaft musste der beginnenden Industrialisierung weichen. Den Bauern wurde ab diesem Zeitpunkt die Beweidung durch Vieh, Laubfütterungen, Ernte von Bucheckern zur Ölgewinnung und fortan auch die Nutzbarmachung der Baumrinde untersagt.

Hinsichtlich der Industrialisierung wurden plötzlich große Holzmengen benötigt, die weitgehend zum Grubenbau beim Abbau von Eisenerz als Brennmaterial in Form von Holzkohle und zur Produktion von Eisen und Stahl dienten. Die neuen Vorgaben führten zwar zu vermehrten Holzdiebstahl, doch war dies auch nicht jedermanns Lösung. Das Verschwinden natürlicher Eichen- und Buchenwälder in Mittelhessen entzog der sowieso schon gebeutelten Landbevölkerung eine weitere Lebensgrundlage. So sahen viele Menschen in ihrer Verzweiflung und Perspektivlosigkeit nur die Auswanderung als persönliche Lösung. „Mit diesem Vortrag gelang es das Gesamtbild um die Frage der Auswanderung weiter abzurunden“, so abschließend Vereinsmitglied Holger Durben,

Ihm und allen anderen Beteiligten war es an diesem Abend eine ganz besondere Freude, auf die Fragen der amerikanischen Gäste und aller Interessierten neue Antworten gefunden zu haben.

von Elvira Rübeling

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