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Nordkreis Arbeitsstunden und Geldstrafen für vorgetäuschten Überfall
Landkreis Nordkreis Arbeitsstunden und Geldstrafen für vorgetäuschten Überfall
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00:15 30.11.2013
Den Überfall auf eine Spielothek in Wetter täuschten 2011 vier Männer vor und stahlen 2 500 Euro. Quelle: Archivfoto
Wetter

Weil sie vor fast drei Jahren gemeinsam eine Spielothek überfielen und eine Straftat vortäuschten, standen am vergangenen Dienstag drei junge Männer vor dem Marburger Jugendschöffengericht. Die Angeklagten, heute 21, 22 und 23 Jahre alt, leben in Marburg, Stadtallendorf und München. Anfang 2011 hatten sie sich zusammen mit einem vierten Täter in Wetter getroffen und den Diebstahl durchgeführt. Einer der Angeklagten arbeitete zu dieser Zeit in der Spielhalle.

Nachdem an diesem Tag der letzte Gast das Geschäft verlassen hatte, verständigte er seine drei Bekannten, die sich bereit hielten. Während zwei der Täter vor der Spielothek aufpassten, betrat der vierte Mann das Gebäude und bedrohte den eingeweihten Kumpan mit einer Schreckschusswaffe. Das „Opfer“ händigte dem Bekannten die Geschäftskasse aus. Dieser verließ daraufhin die Spielhalle und flüchtete gemeinsam mit den beiden anderen Angeklagten in einem bereit stehenden Wagen.

Vierter Täter sitzt schon im Gefängnis

Der Spielhallen-Angestellte teilte später der Polizei mit, dass ihn ein unbekannter Mann überfallen hätte. Die Männer erbeuteten etwa 2500 Euro. Nach der Tat trennten sie sich, der vierte Täter nahm das gestohlene Geld an sich. Seinen Kumpels teilte er später mit, dass die Beute verschwunden sei, beziehungsweise ihm von Unbekannten entwendet wurde. Da sich der Mann noch weiterer Straftaten schuldig gemacht hatte, wurde er bereits in einem gesonderten Verfahren verurteilt und sitzt mittlerweile im Gefängnis.

Die drei verbliebenen Angeklagten legten am Dienstag ein umfassendes Geständnis ab. Organisiert habe das Ganze der vierte Täter, sie selber wären dann einfach mitgekommen als er sie dazu aufforderte. Einen Anteil an der Beute hatte keiner der drei erhalten. „Das war mir egal, ich wollte dann nichts mehr mit der Sache zu tun haben“, betonte einer der Angeklagten. Zwei von ihnen sind vorbestraft. Der 22-Jährige wurde erst vor einigen Monaten wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt. Während der Verhandlung entschuldigten sich alle drei mehrfach für den Überfall. „Es war ein Fehler, ich werde mich hier nicht noch mal blicken lassen“, beteuerte einer der Männer.

Tat liegt bereits drei Jahre zurück

Die Jugendgerichtshilfe befürwortete eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht, da alle drei Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat noch als Heranwachsende galten. Für den Ältesten schlug sie einen Dauerarrest vor. Da die Tat bereits fast drei Jahre zurück liegt, sei es schwierig den heutigen Entwicklungsstand der Angeklagten zu beurteilen, betonte Staatsanwalt Christian Laubach in seinem Plädoyer. Eine Haftstrafe befand er für nicht sinnvoll. Dem schlossen sich alle drei Verteidiger gerne an. Das Jugendschöffengericht verurteilte die Täter schließlich wegen Diebstahls mit Waffe sowie Vortäuschens einer Straftat. Zwei der Täter haben in den kommenden Monaten je 100 Arbeitsstunden abzuleisten. Bei dem dritten Mann wurde die bereits fällige Geldstrafe um weitere 600 Euro aufgestockt.

Der Entwicklungsstand der jungen Männer sei nach der langen Zeit heute ein ganz anderer als zum Tatzeitpunkt, erklärte auch der vorsitzende Richter Thomas Rohner das Urteil.

von Ina Tannert