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Apell wirbt für "Teilzeit-Festplatz"

Festplatzsuche in Goßfelden Apell wirbt für "Teilzeit-Festplatz"

Den alten Festplatz umnutzen, einen neuen, wenn auch kleineren, dafür mit Halle, umsonst bekommen - diese Idee stieß in Goßfelden nicht bei allen auf Begeisterung.

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André Isenberg (rechts), Gründer der „Potential Energie GmbH & Co. KG“, möchte vor dem Feuerwehrhaus eine Lagerhalle für Holzhackschnitzel aufstellen, die jeweils für die Grenzgangfeste geräumt würde.

Quelle: Manfred Schubert

Goßfelden. Am Ende der Bürgerversammlung schienen sie dann doch viele akzeptabel zu finden. "Warum ein neuer Festplatz?" - dieser Frage widmete sich Bürgermeister Manfred Apell zu Beginn der Bürgerversammlung, bei der die Gemeinde Lahntal über die aktuellen Überlegungen zur Verlegung des Festplatzes informieren wollte. Etwa 60 Teilnehmer waren dazu in die Lahnfelshalle gekommen.

Nachdem in der Alten Schule in der ‚Neuen Mitte Goßfeldens‘ ein Kultur- und Gemeinschaftszentrum und ein Gesundheitszentrum entstanden sind, würde die Gemeinde dort gerne in Zusammenarbeit mit dem St. Elisabeth-Verein eine Betreuungseinrichtung schaffen. Der alte, etwa 4200 Quadratmeter große Festplatz in unmittelbarer Nähe würde sich anbieten, um dort barrierefreie Wohnungen für Senioren zu errichten.

Ein neuer Festplatz könne vor dem neuen Feuerwehrhaus in Richtung Bundesstraße auf einem 3300 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Das Problem: Der Gemeindehaushalt ist nicht ausgeglichen, der Bau des Festplatzes würde 160000 bis 200000 Euro kosten, und eine solche zu den freiwilligen Leistungen zählende Ausgabe würde von der Kommunalaufsicht nicht genehmigt.

Ohnehin erscheine es nicht sinnvoll, einen nur alle sieben Jahre für das Grenzgangfest und dazwischen nur selten für Feste genutzten Platz vorzuhalten, zumal in dieser Zeit oft ungenehmigt beispielsweise Lastwagen dort geparkt werden und Unebenheiten verursachen und die Unterhalts- und Reparaturkosten an der Gemeinde hängenbleiben.

Daher entstand die Idee, das Projekt mit einem Investor über einen Erbbaurechtsvertrag zu realisieren. Das heißt, die Gemeinde bliebe im Besitz des Grundstücks, der Investor errichtet darauf eine Halle und übernimmt die Erschließungs- und Baukosten, und nach 50 Jahren fällt alles an die Gemeinde zurück.

Da feiern, wo sonst Holzhackschnitzel lagern

Der Investor, der unter ursprünglich mehreren Interessenten nun in Frage kommt, ist der Goßfeldener Energietechnik-Ingenieur André Isenberg, der vor einem halben Jahr die Potential Energie GmbH & Co. KG gründete. Diese beschäftigte sich mit der Herstellung von Holzhackschnitzeln aus unbe­handeltem Holz, deren Aufbereitung und Trocknung sowie der Planung, dem Bau und Betrieb von Anlagen zur Wärmeerzeugung mit Holzhackschnitzeln. Er möchte eine 1600 Quadratmeter große Lagerhalle für Holzhackschnitzel errichten. Diese Halle würde für die Grenzgangfeste jeweils für 14 Tage geräumt zur Verfügung stehen und zusätzlich für Feste dazwischen für eine Woche. Nicht kostenlos, aber kostengünstig. Weitere Feste würden eine individuelle Regelung mit dem Investor erfordern.

Für kleinere Feste, so Apell, könnte nach Absprache mit der Feuerwehr deren Parkplatz genutzt werden. Die Mitnutzung dieses sowie des Parkplatzes des nahe gelegenen Einkaufsmarktes - nach Absprache mit dem Eigentümer - seien auch Argumente gegen die Bedenken, die mehrere Zuhörer wie Heiko Friedrich vom Grenzgangverein gegen die Verkleinerung des Festplatzes äußerten. Bereits jetzt habe es Platzprobleme gegeben, sagte Friedrich.

Gerhard Burk bemängelte, dass der Blick auf das teure und für die Gemeinde repräsentative Feuerwehrhaus schon kurze Zeit nach Errichtung durch eine Halle verdeckt werden soll. Andere äußerten Bedenken zur Erreichbarkeit wegen der zwischen dem Ort und dem möglichen neuen Festplatz gelegenen Bahnlinie und Bundesstraße. Der Beigeordnete Michael Meinel nannte als Argument für die Verlegung in den Außenbereich, dass es die Tendenz gebe, Feste aus Innerortslagen wegzuklagen.

Aufgetretene Fragen sollen schnell geklärt werden

Je länger die fast zweistündige Versammlung andauerte, desto mehr Teilnehmer äußerten sich positiv über das Konzept. Dr. Herbert Koch, Gemeinde­vertreter aus Caldern, sagte, immer, wenn er an dem alten Festplatz vorbeifahre, mache dieser auf ihn den Eindruck einer Industriebrache. Ortsvorsteher Wilfried Lies stimmte zu, dass der alte Festplatz ein Schandfleck geworden sei, der auch als Schuttabladestelle missbraucht werde. Das neue Konzept könne er sich als echte Bereicherung für den Ort vorstellen. In Buchenau müsse man beim Grenzgang auch über die Bundesstraße.

Die Grenzgangvereinsvorsitzende Elke Wind erklärte, sie stehe dem Konzept positiv gegenüber, eine feste Halle biete viele Vorteile.

Gemeindevertreterin Barbara Seitz regte eine Bürgerbefragung zu dem Thema an, da doch viele nicht zu den Versammlungen kämen. Dirk Geißler, Vorsitzender der Gemeindevertretung, fügte an, man müsse in Erfahrung bringen, ob man die Bundesstraße zum Fest komplett sperren oder den Verkehr verlangsamen könne.

Zum weiteren Vorgehen erklärte Bürgermeister Manfred Apell, dass man mit der Feuerwehr und den Verkehrsbehörden sprechen werde. Bei einem günstigen Verlauf aller erforderlichen Schritte könne gegen Ende des Sommers der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan gefasst werden und die Halle noch dieses Jahr stehen.

von Manfred Schubert

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