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Nordkreis Anwohner bangen um ihre Häuser und die Ruhe
Landkreis Nordkreis Anwohner bangen um ihre Häuser und die Ruhe
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06:15 24.05.2012
In Goßfelden wird künftig auf einer erweiterten Fläche Kies abgebaut. Die Menschen in den angrenzenden Häusern fürchten sich vor Beeinträchtigungen. Quelle: Simone Schwalm
Goßfelden

Auf den Wiesen, die an die Straßen Am Rodenbach und Burggasse in Goßfelden grenzen, stehen Veränderungen an. Rund 20 Anwohner sind von der Erweiterung des Kiesabbaus der Firma Irma Oppermann direkt betroffen und stehen dem Vorhaben äußerst skeptisch gegenüber.

„Viele befürchten einen Wertverlust ihrer Häuser“, erklärte Dr. Christian Hofmann, dessen Haus, in dem sich auch die Kinderarztpraxis seiner Ehefrau befindet, dicht an der Wiese steht, die als zweiter Abbauabschnitt vorgesehen ist.

Doch das sind nicht die einzigen Bedenken. Weil der Wind überwiegend von Westen her weht, befürchten die Einwohner erheblichen Lärm und Staub, der von der Kiesgrube zu ihren Häusern getragen wird. Beispielsweise sei es dann kaum möglich, im Garten zu sitzen, die Lebensqualität werde erheblich gesenkt, wie ein weiterer Bewohner, der ungenannt bleiben möchte, erläuterte. Aus diesem Grund denken die Hofmanns auch darüber nach, die Praxis zu verlegen.

Um das Auskiesungsgebiet müsste zum Schutz vor Hochwasser ein Damm aufgeschüttet werden, finden die Anwohner - doch das sei nicht vorgesehen, obwohl Hochwasser im Lahntal ein großes Problem darstellt. Eine Ausnahme bildet der Abbauabschnitt zwei, wo etwa in vier bis fünf Jahren mit dem Kiesabbau begonnen werden soll. Zwischen der Wiese und Am Rodenbach wird laut Plan der Firma ein etwa fünf Meter hoher und 20 Meter breiter Wall entstehen. Dass ansonsten kein Wall aufgeschüttet wird, geschehe gerade aus Gründen des Hochwasserschutzes, erklärten Matthias Nörthen, Geschäftsführer der Firma Oppermann, und der Planungsleiter Roland Schippany. „Dämme würden Hochwasser eher bedingen. Der Hochwasserschutz war die wichtigste Auflage zur Genehmigung unseres Vorhabens“, sagte Schippany.

Das bestätigte auf Nachfrage auch Harald Franz vom Regierungspräsidium Gießen, der für dieses bergrechtliche Genehmigungsverfahren zuständig ist: „Wir haben peinlich genau darauf geachtet, dass die derzeitige Hochwassersituation auf keinen Fall verschärft, sondern eher entschärft wird.“ Aus diesem Grund soll die Wiese des ersten Abbauabschnitts nach der Rekultivierung etwa einen Meter tiefer liegen als bislang. „Dadurch wird der Hochwasserschutz sogar begünstigt“, sagte Schippany.

„Niemand über das normale Maß hinaus belästigen“

Um die Staubentwicklung möglichst gering zu halten, hat die Firma zugesagt, den Weg, auf dem die Baufahrzeuge den Kies abtransportieren, kontinuierlich zu bewässern. Außerdem werde es regelmäßige Lärmpausen geben. „Die Maschinen sind nicht durchgängig am Laufen. Gearbeitet wird etwa zwischen 7 und 16 Uhr, am Wochenende gar nicht, und von Dezember bis Ende März findet kein Abbau statt“, stellte Nörthen klar. Zudem werde es regelmäßig Lärmmessungen geben, was durch das Regierungspräsidium kontrolliert werde.

„Durch dieses Abbauvorhaben darf niemand über das normale Maß hinaus belästigt werden“, betonte Franz. Bei Problemen stehe er jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch Nörthen hob hervor, dass es der Firma wichtig sei, mit den Anwohnern in regelmäßigem Kontakt zu bleiben und gut mit ihnen auszukommen. Sollten Lärm- oder Staub-Belästigungen auftreten, würden sie nach Möglichkeiten suchen, diese zu lindern.

„Sicherlich wird es Beeinträchtigungen geben. Und in die Bedenken der Anwohner können wir uns hineinversetzen“, sagte Schippany. Doch die erwartete Gefahr, dass sich die Häuser absenken könnten, bestehe nicht. Durch eine Grundwasserspiegelabsenkung könnten Risse in den Fassaden entstehen, aber das Grundwasser werde nicht abgepumpt, wie Franz und der Planungsleiter betonten.

Dennoch werden laut Nörthen als „vertrauensbildende Maßnahme“ Setzungsmarken an den Häusern angebracht und ihr Zustand protokolliert, bevor mit dem Abbau begonnen wird. „Das dient der Beweissicherung“, sagte Franz. Sollten wider Erwarten Schäden oder Fassadenverschmutzungen entstehen, die auf die Firma zurückzuführen sind, müsse diese dafür aufkommen.

Ob diese Versprechungen für die Anwohner ein Trost sind, bleibt fraglich. Hätten sie früher von den Abbauplänen gewusst, hätten sie dagegen noch Einspruch einlegen können, sind sie sich sicher. Doch als sie am 14. November 2011 darüber informiert wurden, war es ihrer Überzeugung nach schon zu spät.

Ob nun mit den Zusicherungen der Firma Ruhe einkehren wird, bleibt abzuwarten.

von Simone Schwalm