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Amtsschimmel wiehert fröhlich

Lahntal Amtsschimmel wiehert fröhlich

Die Deiche sind in der Gemeinde Lahntal seit jeher ein gern diskutiertes Thema. Auch, wenn derzeit nicht viel vorangeht. Dafür sorgt mancher Schriftverkehr mit dem Regierungspräsidium für Kopfschütteln.

Sterzhausen. Wenig Grund zur Freude gibt die Entwicklung beim Hochwasserschutz, berichtete Bürgermeister Manfred Apell den Lahntaler Gemeindevertretern. Einen Vorgang um die Entwidmung des Lahndeiches Brungershausen fand Apell so amüsant wie ärgerlich. Bei der Schilderung konnte man den Amtsschimmel indes freudig wiehern hören.

Das Regierungspräsidium (RP) Gießen hatte die Gemeinde 2004 aufgefordert, einen Entwidmungsantrag zu stellen, weil es sich „nicht um einen Deich handelt, da er umflossen wird“. Damit könne die Gemeinde aus der Unterhaltungspflicht entlassen werden. Mit allerlei Hin und Her zog sich das Verfahren hin. Bis zu einem Schreiben des RP Gießen im Juni 2012. Demnach sei es „rechtlich nicht möglich, einen Deich zu entwidmen, da es rechtlich auch keine Widmung gibt“. Die Empfehlung lautete, den Antrag zurückzuziehen. Immerhin bedauerte die Behörde den ungünstigen Ablauf des Verfahrens und entschuldigte sich.

Bei der Sanierung der Lahndeiche Goßfelden und Sarnau geht es gar nicht voran. Im Herbst 2011 war mit dem RP besprochen worden, dass Lahntal 2012 den als Voraussetzung geforderten neuen Pegel errichten werde, eine Entscheidung über den Fördermittelantrag hatte das RP innerhalb zwei bis drei Wochen in Aussicht gestellt, so Apell. Nach vielen Erinnerungen kam im Mai ein Anruf, der Fördermittelbescheid käme Mitte Juni, das RP baue den Pegel selbst, der Baubeginn sei noch nicht absehbar. Auf der Südseite könnten die Deiche jedoch unabhängig davon saniert werden. Zum am 25. Mai gestellten Fördermittelantrag kam bis zum 28. August keine Nachricht. Deiche können aber nur in der hochwasserfreien Zeit von Mai bis September gebaut werden.Die Gemeinde habe bislang 200000 Euro in der Angelegenheit ausgegeben, ohne dass auch nur ein Meter Deich gebaut wurde, betonte Apell. Der nördliche Deich könne aber nächstes Jahr keinesfalls gebaut werden, da der Pegel zunächst ein Jahr lang erprobt werden muss.

Noch absurder klingt die Kehrtwende des RP bei den geplanten Hochwasserrückhaltebecken an Treisbach und Wetschaft, an deren Kosten Lahntal beteiligt ist. Etwa im Jahre 2000 hatte die Behörde vorgeschlagen, mehrere Hochwasserrückhaltebecken zu errichten. Die Planung begleitete das RP bis zum Planfeststellungsantrag. Dann fand ein Gespräch zwischen RP-Mitarbeitern und dem Geschäftsführer des zuständigen Wasserverbands statt, dem empfohlen wurde, trotz der bereits erbrachten Vorarbeiten und Planungen alternative Lösungen in Erwägung zu ziehen. „Alles, was das RP begleitet und uns empfohlen hat, wird auf den Kopf gestellt“, ärgerte sich Apell. Ein Gespräch mit dem Regierungspräsidenten über den Fortgang steht noch aus.

von Manfred Schubert

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