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Nordkreis Alle Kandidaten sind für den Bürgerbus
Landkreis Nordkreis Alle Kandidaten sind für den Bürgerbus
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20:25 29.02.2012
Unter der Gesprächsleitung der  Ortsvorsteher Hans Heinrich Dersch (Warzenbach) und Wolfgang Achenbach (Treisbach) stellten sich die Bürgermeisterkandidaten den Fragen der Bürger im Bürgerhaus in Warzenbach. Quelle: Michael Agricola

Warzenbach. Ein weiteres Mal ein volles Bürgerhaus, ein weiteres Mal eine lebhafte Diskussion: Auch bei der letzten Wahlveranstaltung für die Stadtteile – diesmal waren vor allem Warzenbacher und Treisbacher eingeladen – stand Sachlichkeit im Vordergrund. Mit vollmundigen Versprechungen hielten sich die Kandidaten zurück. 

Ein wichtiges Thema vor den knapp 120 Besuchern im Warzenbacher Bürgerhaus war die Frage, was die Kandidaten tun wollen, damit die Menschen auch im Alter in den Dörfern bleiben können und wie sie die Dörfer angesichts des demografischen Wandels attraktiv halten wollen, da ja auch die Verkehrsanbindung nicht die beste sei.

Alle vier Bewerber sehen Handlungsbedarf, alle vier sprachen sich auch für eine Reaktivierung des Bürgerbus-Angebots aus, mit dem Kunden aus den Außenstadtteilen bis vor drei Jahren zum Einkauf nach Wetter fahren konnten. Gescheitert sei eine Weiterführung damals, so Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (parteilos), weil nicht alle Gewerbetreibende sich an den monatlichen Kosten des für die Kunden kostenlosen Angebots hätten beteiligen wollen.

SPD-Kandidat Dr. Richard Fett hatte den Wunsch nach einem solchen Service bei seinen Besuchen in den Stadtteilen ebenfalls wahrgenommen  und will sich dafür einsetzen. Jörg Bettelhäuser (parteilos), der von  CDU, Grünen und FDP unterstützt wird, brachte zum Transport auch städtische Fahrzeuge ins Gespräch.

Die Linken-Kandidatin Susann Kalden setzt allgemein auf den Ausbau des Nahverkehrsangebots, damit man abends zum Beispiel nach Marburg fahren und auch wieder zurückkommen könne.  Was das Altern auf dem Dorf angeht, setzen alle zu einem Teil auf eine starke Solidarität der Gemeinschaft, zum Beispiel auf Nachbarschaftshilfe, die gefördert werden sollte.

Bettelhäuser könnte sich zudem einen Senioren-Notruf vorstellen, der bei kleineren Reparaturen oder Besorgungen einspringt. Kalden und Fett setzen sich für einen Seniorenbeirat ein, der laut Kalden auch Rederecht im Parlament haben sollte.
Nachbarschaftshilfe und klare Konzepte für Senioren.

Spanka sprach sich für eine stärkere Zusammenarbeit der Nordkreiskommunen in der Seniorenarbeit aus und verwies auf das Konzept der Pflegestützpunkte im Kreis, die als Unterstützung für die wohnortnahe Betreuung geeignet seien. Die Einrichtung eines Seniorenbeirats allein löse die Probleme nicht, es müssten klare Konzepte entwickelt werden.

Die Jugend sei bei der Jugendförderung Nordkreis in guten Händen, meinten alle Kandidaten – auch wenn man damit nie alle erreichen werde. Kalden setzt darüber hinaus auf einen Jugendbeirat und autonome Jugendclubs, will den jungen Leuten Verantwortung übertragen, sie ernstnehmen. Ein Streetworker ist aus ihrer Sicht nützlich – wenn er auch abends zu Treffpunkten der Jugendlichen geht und das Gespräch sucht.

Susann Kalden sieht die Aufgabe des Bürgermeisters darin, „Anwalt für alle Bürger“ zu sein und für jeden zu kämpfen. Er habe nicht nur eine Verwaltungsfunktion.Sich hinter Vorschriften zu verstecken und zu sagen, da sei man nicht zuständig, sei der falsche Weg.

Man müsse, wenn es sein muss, an der zuständigen Stelle dann auch mal stündlich anrufen und den Leuten „auf die Nerven“ gehen, findet Kalden, die sich als Bürgermeisterin eher als Mediatorin sehe, die „super vernetzen und Menschen zusammenbringen kann“. Ganz ähnlich verstehen das Dr. Richard Fett und Jörg Bettelhäuser.

Sie kritisierten erneut – ohne konkret zu werden – den Umgang des Bürgermeisters mit den Gremien wie der Stadtverordnetenversammlung und wollen dieses Verhältnis verbessern. Vor allem aber wünschen sie sich Impulse aus den Reihen der Bürger, für die sie sich einsetzen würden. „Was von den Bürgern kommt, wird besser angenommen“, betonte Bettelhäuser mit Blick auf die Eigeninitiative in vielen Dörfern. Und: „Die Bürger machen es meist besser.“

Dr. Richard Fett geht genauso  offen auf die Bürger zu. Auf die Frage nach seinen Vorstellungen, was man für die  Wanderwege rund um Treisbach und Warzenbach tun könnte, antwortete er: „Sie müssen mir sagen, was Sie wollen. Dafür werde ich mich einsetzen.“ Auch er sieht sich eher als Moderator, der Interessen zusammen bringt. Kai-Uwe Spanka hatte es da leichter: „Sie müssen entscheiden: War ich in den letzten sechs Jahren Ansprechpartner für die Bürger?

von Michael Agricola