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22-Jähriger gesteht sechs Straftaten

Aus dem Amtsgericht 22-Jähriger gesteht sechs Straftaten

Er verletzte den eigenen Bruder, randalierte mehrfach und bliebt seinem Dienst bei der Bundeswehr fern. Das soll sich nicht wiederholen, versprach ein Angeklagter aus dem Nordkreis vor Gericht. Seine achtmonatige Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

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Ein Angeklagter aus dem Nordkreis zeigte sich vor dem Amtsgericht geständig und erklärte sich zu einem Entzug sowie einer Anti-Aggressionskur bereit.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Staatsanwaltschaft warf einem 22-jährigen Angeklagten sechs Delikte vor, die fast alle einem roten Faden folgten, nämlich Alkoholkonsum. Es sind Delikte, „so unnötig wie nur irgend etwas“, formulierte es Verteidiger Sebastian Wendt. Was aber letztendlich zugunsten des 22-Jährigen ausfiel: Er zeigte sich vollumfänglich geständig und erklärte sich zu einer Entzugstherapie bereit. Darüber hinaus auch zu einer Anti-Aggressionskur.

„Es kann möglich sein, dass ich ein Alkoholproblem habe“, räumte er ein. Der Tatzeitraum umfasst Anfang März bis Mitte April 2017. Am 2. März habe er mit Freunden eine Kneipentour in Marburg gemacht. Die endete nach eigenen Angaben im „Erotic Island“ in Wehrda. Da er dort seine Rechnung nicht bezahlen konnte, hinterließ er sein Handy als Pfand und nahm ein Taxi zu seinem Elternhaus im Nordkreis, wo er mit seiner Mutter und seinem Bruder lebt. „Ich werde durch Alkohol öfter aggressiv“, sagte er vor Gericht aus. Er habe dann versucht, seine Mutter dazu zu zwingen, die Taxikosten zu zahlen und mit ihm zu „Erotic Island“ zu fahren, um die Schulden zu begleichen.

Blumentöpfe gegen die Wand geworfen

Das Taxi zahlte die Mutter, seine zweite Forderung verwehrte sie ihm. Dann sei er ausgerastet, was die Vorwürfe der Sachbeschädigung und Körperverletzung zur Folge hat. Denn zunächst habe er den Bruch der Glastür im Flur des Hauses verursacht. Als dann sein älterer Bruder in das Geschehen eingreifen wollte, habe er diesen  geschlagen und gewürgt. Die Mutter hatte die Polizei verständigt, doch beim Eintreffen der Beamten sei der Angeklagte geflüchtet und habe sich versteckt. Kaum, dass die Polizei wieder gefahren war, kehrte der 22-Jährige in das Haus zurück und warf Blumentöpfe gegen die Wand. Auch soll er im Haus Sicherungen herausgedreht haben, offenbar um seinen Bruder zu provozieren, doch daran konnte sich der Angeklagte nicht erinnern.

Sehenabriss und Kochenabsplitterung

Der Bruder trat also nochmals aus seinem Zimmer, als der 22-Jährige ihn abermals würgte. Auch habe er sich über seine Behinderung lustig gemacht. Letztendlich trug der Bruder einen Sehnenabriss und eine Knochenabsplitterung an Hand und Finger davon. Mit einem Kneipenbesuch begann auch das nächste Delikt, das der Angeklagte im April 2017 in Frankenberg begangen haben soll. Als er nach dem Schauen eines Fußballspiels mit Freunden aus der Kneipe gekommen war, trat er ohne erkennbaren Grund den Rückspiegel eines dort parkenden Opels ab, was er auch gestand. Diesen Schaden habe er mittlerweile beglichen.

Das letzte Delikt betraf das Wehrstrafgesetz, denn zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte­ Soldat. Nach seiner Grundausbildung in Thüringen sollte er nach Niedersachsen verlegt werden. Zu dieser Zeit sei die Truppe auf einem Übungsplatz gewesen. Der Angeklagte hatte­ sich jedoch gewünscht, nach Stadtallendorf verlegt zu werden. Er sei nach Hause gefahren und vom 6. bis 14. März vom Dienst ferngeblieben. „Ich war ein bisschen überfordert, ein bisschen schüchtern und habe ein bisschen Angst gehabt“, sagte der Angeklagte aus. Die große Entfernung zu seinen Freunden und seiner Familie habe ihm zugesetzt. Zwischen dem Angeklagten und dem Oberstabsfeldwebel habe in der Zeit SMS- und letztlich Telefonkontakt bestanden.

Lebensverhältnisse neu sortiert

Hier habe der 22-Jährige mehrfach angekündigt zu kommen, doch er habe das nicht umgesetzt. Bis schließlich Feldjäger ihn am 14. März in seinem Heimatort abholten. Heute ­arbeitet der Angeklagte seit drei Monaten bei einer Firma. Den Schaden in seinem Elternhaus habe­ er allerdings noch nicht beglichen. Das Urteil belief sich schließlich wegen Sachbeschädigung in drei Fällen, Körperverletzung in zwei Fällen und dem Fernbleiben vom Dienst auf eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die das Gericht zur Bewährung aussetzte. Ihm soll ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt werden. Als Auflagen muss der Angeklagte 600 Euro an seine Mutter zahlen, sowie an einer Entzugskur und einem Anti-Aggressionskurs teilnehmen.

von Beatrix Achinger

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