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20 Kinder auf einer Reise durch die Zeit

Schlossführung 20 Kinder auf einer Reise durch die Zeit

In einem Kerker des alten Gefängnisturms konnten sich 20 Jungen und Mädchen wie echte Verbrecher und Hexen fühlen.

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Die Kinder schauten sich aufmerksam eine Zelle an, in der früher beispielsweise angebliche Hexen eingesperrt wurden.

Quelle: Sonja Achenbach

Marburg. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen das Schloss und mit ihm auch die Kasematten von seinen Bewohnern ihrem ursprünglichen Verwendungszweck nach genutzt wurden. Genauer gesagt wurden die letzten Kanonenkugeln während des 30-jährigen Krieges im 17. Jahrhundert vom Marburger Schloss abgefeuert. Roland Petri zeigte den Kindern, wo die dazugehörigen Kanonen standen, wohin sich die Bewohner im Falle eines Krieges zurückzogen, aber auch wo Häftlinge und Hexen eingesperrt wurden.

Als äußerst praktisch erwies sich an diesem Tag die unterirdische Lage der Kasematten. Denn so waren die Gewinner der Aktion „Die OP erfüllt Kindern Wünsche“ zumindest nicht dauerhaft dem strömenden Regen ausgesetzt, der schon zu Beginn einsetzte. Die Niederschläge waren schnell vergessen, als Petri die Tür zur ersten und ältesten Kasematte Deutschlands am Marburger Schloss öffnete und die Kinder über eine steile Treppe in ein weitverzweigtes Tunnelsystem gelangten. Echte Kanonenkugeln waren hier zu finden und auch Fenster in der Wand, durch die in früheren Zeiten mit Kanonen gefeuert wurde, konnten die Kinder hier finden. Auf die Frage, wozu die vielen Löcher in der Wand dienten, berichtete Petri, dass diese den Soldaten früher als Lageplatz für ihr Essen gedient hatten. Erstaunt erfuhren die Kinder auch, dass die Kasematte nicht nur als Verteidigungsstandort, sondern wegen der weitverzweigten Gänge und unterschiedlichen Kammern auch als Fluchtort für die Menschen der Umgebung dienen konnte.

Die nächste Station für die Mädels und Jungs war der zweite Kanonenturm, der früher als sogenannter „Weißer Turm“ weithin sichtbar war, wie Petri berichtete. Im Gegensatz zum ersten Kanonenturm konnte dieser aber nie seinen eigentlichen Zweck erfüllen, weil die Schüsse der Kanonen einen dermaßen lauten Knall verursachten, dass den Soldaten in der Nähe das Trommelfell platzte und der entstehende giftige Dampf ihre Lungen verätzte. Später wurde er dann in einen Gefängnisturm umgewandelt, der auch als Kerker für Hexen diente. Wie echte Verbrecher – und Hexen – konnten sich die Mädchen und Jungen fühlen, als Petri die Türen eines Kerkers hinter ihnen verschloss und für wenige Augenblicke das Licht erlosch.

von Sonja Achenbach

Mehr lesen Sie am Freitag in der gedruckten OP.

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