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16.50 Uhr ab Cölbe - ganz ohne hupen

Ruhe am Bahnübergang 16.50 Uhr ab Cölbe - ganz ohne hupen

Sicher, stetiger Lärm ist unzumutbar, aber auch kurzzeitiger, immer wiederkehrender Lärm kann die Lebensqualität auf ein Minimum reduzieren. Das wissen einige Bürger aus Cölbe ganz genau. - Sie sind aber nun endlich davon erlöst.

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Roland Moucka (von links) Volker Carle und Wolfgang Tichelmann freuen sich, dass die Fußgängerfurt am Bahnübergang „Im Espen“ fertiggestellt ist.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. Es gibt Flecken auf der Erde, die sehen sehr idyllisch und friedlich aus. Wenn man am Bahnübergang „Im Espen“ in Cölbe, direkt in der Nachbarschaft einer Reitanlage steht, würde man nicht vermuten, dass dort irgendetwas den dörflichen Frieden stören könnte. Plötzlich hupt es durchdringend

Aha, ein Zug nähert sich. Ach, hier ist die Welt noch in Ordnung. Weit gefehlt, hier war sie lange Zeit nicht in Ordnung. Warum? Weil die eingleisig idyllisch gelegene Bahnstrecke doch ganz gut befahren wird und jedes Mal das durchdringene Hupen ertönt. Was am Bahnübergang für Sicherheit sorgen soll, wirkt am bebauten Hang oberhalb wie eine schallende Ohrfeige, wie punktueller Höllenlärm, der ganz besonders in den sehr frühen Morgenstunden aus den Schlaf schrecken lässt. Nicht einmal, oder zweimal, sondern immer wieder tagein, tagaus. Der Zustand war für die Anwohner nicht mehr tragbar.

Bereits 2008 wurde die Gemeinde Cölbe aktiv und suchte das Gespräch mit der Bahn Netz AG mit dem Ziel, den Bahnübergang „Im Espen“ für Fahrzeuge zu schließen, denn damit würde auch das Warnsignal entfallen. Im Januar 2009 wurden bei einem Ortstermin mit einem Vertreter der Bahn, dem Ortsbeirat und dem Ortslandwirt Lösungsansätze diskutiert. Eine Lichtzeichenanlage wurde als zu teuer verworfen, also sollte der Bahnübergang auf beiden Seiten mit einer Umlaufsperre ausgerüstet werden, so dass er nur noch für Radfahrer und Fußgänger genutzt werden kann.

Wer hätte damals gedacht, dass es bis zur Verwirklichung Spätsommer 2012 werden würde? „Was hier jetzt so einfach aussieht und binnen kürzester Zeit umgesetzt wurde, hat aber eine sehr lange Geschichte“, sagt Bürgermeister Volker Carle.

„Versuch“ mit Pferdenin Wetter endet positiv

Denn der Umbau setzte zunächst einmal voraus, dass die Bankette des Zufahrtweges am Kornhaus entsprechend verbreitert wird, um den Erntebetrieb der Landwirtschaft weiter zu gewährleisten. Im Sommer 2009 meldete das Amt für ländlichen Raum Bedenken bezüglich des landwirtschaftlichen Verkehrs an und wies ferner darauf hin, dass der Bahnübergang „Im Espen“ auch für Pferde geeignet sein müsse, weil es dem in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichen Reitverein nicht zuzumuten sei, einen Umweg über die Kasseler Straße zu machen, um in die Feldgemarkung zu kommen.

Die Bahn sei sich dann nicht sicher gewesen, ob es dafür entsprechende Abmessungen gibt und ließ noch einmal die Einrichtung einer Lichtzeichenanlage prüfen. Danach passierte lange Zeit nichts mehr. Die Gemeinde wurde dann wieder aktiv, als sie davon hörte, dass die Stadt Wetter eine Umlaufstelle in Betrieb genommen hatte, erzählt Roland Moucka von der Gemeinde. Dort konnte dann der Versuch stattfinden, ob auch Pferde durch die genormten Abstände passen. Und sie passten.

Der Reitverein Cölbe erklärte sich mit der Errichtung einer baugleichen Fußgängerfurt am Bahnübergang „Im Espen“ einverstanden.

Allein das Amt für ländlichen Raum bestand darauf dass im Einfahrtsbereich des Cölber Kornhauses eine 25 Meter lange Grabenverrohrung vorgenommen wird, was die Gemeinde Cölbe zu einem früheren Zeitpunkt unter Angabe von Kostengründen abgelehnt hatte. Nun sollte also doch verrohrt werden. Dies bedurfte wiederum einer naturschutzrechtlichen Genehmigung, die im Juni 2011 gegeben wurde.

Ab Oktober durfte dann der Graben bis Mitte November verrohrt werden. Mit der Erfüllung dieser Voraussetzung wurde nun zu guter Letzt die Fußgängerfurt aus Leitplanken gebaut. Wolfgang Tichelmann vom Ortsbeirat Cölbe stellte das Positive heraus. Auch wenn es länger gedauert habe, hätten sich doch alle Beteiligten bemüht, eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.

Durch die Anordnung der Leitplanken wird der Blick des Überquerers in beide Richtungen gelenkt. So, und nun herrscht also „Im Espen“ echte ländliche Idylle und am bebauten Hang endlich Ruhe.

von Götz Schaub

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