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Wer zur Ische schofel ist, ist meschugge

Jiddisch, Teil II Wer zur Ische schofel ist, ist meschugge

Jiddische Wörter gehören zum allgemeinen Sprachschatz - oft allerdings, ohne dass die Sprecher wissen, woher die Begriffe kommen. Auch wenn der Dialekt nicht die einzige Heimat dieser Wörter ist, sind sie dort oft noch weiter verbreitet als in der Standardsprache.

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Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat auf jeden Fall Massel. Foto: www.pixelio.de

Quelle: Kurt F. Dominik

Marburg . Ein kleiner Ausflug ins Jiddische kann auch bei einer Dialektserie nicht schaden. Schließlich lebten auch im Raum Marburg-Biedenkopf bis zum Holocaust viele Juden. Und die brachten ihre Sprache auch in die allgemeine Sprache ein. Im Dialekt halten sich Ausdrücke aus dem Jiddischen manchmal länger als im Hochdeutschen, manchmal kommen aber fast vergessen geglaubte Wörter auch wieder zu neuen Ehren - in der Jugendsprache etwa. Welcher 16-Jährige, der seine "Ische" mit in die Disco nimmt, weiß wohl noch, dass das Wort im Jiddischen ganz einfach "junge Frau" bedeutet?

Aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch finden sich viele jiddische Wörter, die hier kursiv erscheinen: Wenn der Malocher ordentlich achelt, dann kann er sicher auch viel besser vertragen, wenn sein Kollege mal Stuss spricht. Manchmal muss er dann mit ihm Tacheles reden, ohne dabei aber schofel zu werden. Mauscheln ist seine Sache nicht, auch wenn mancher Zocker damit eine Menge Reibach machen kann. Der echte Malocher gehört eben nicht zu der Mischpoke, die um jeden Tinnef schachert.

Wer dagegen die Chuzpe hat, mit jeder Schickse zu schäkern, ist eigentlich meschugge und muss sich nicht wundern, wenn das jede Menge Schmäh nach sich zieht, weil viele das nicht koscher finden. Mit etwas Massel kann aber auch der größte Schussel es zu etwas bringen, und das ist kein bisschen Schabbesschmus.

Und hier die Übersetzung: Wenn der Arbeiter ordentlich isst, dann kann er auch viel besser vertragen, wenn sein Kollege mal Unsinn spricht. Manchmal muss er dann mit ihm Klartext reden, ohne dabei aber gemein zu werden. Dinge hinter vorgehaltener Hand abzusprechen ist seine Sache nicht, auch wenn mancher Spieler damit eine Menge Gewinn machen kann. Der echte Arbeiter gehört eben nicht zu der Sippe, die um jeden Schund feilscht.

Wer dagegen die Unverfrorenheit besitzt, mit jedem nicht-jüdischen leichten Mädchen zu scherzen, ist eigentlich verrückt und muss sich nicht wundern, wenn das jede Menge Gerede nach sich zieht, weil viele das nicht in Ordnung finden. Mit etwas Glück kann es aber auch der größte unkonzentrierte Mensch zu etwas bringen, un das sind keine Sonntagsreden.

Und in einem beruflichen Zweig hat sich das Jiddische auch noch bis weit nach dem Holocaust gehalten - bei den Handeltreibenden. Oft mischt sich dort das Jiddische mit speziellen Händlersprachen wie dem Jenischen.

Wenn jemand "macholler" war, war das für den Verkäufer zum Beispiel sehr schlecht. Sein Käufer war nämlich zahlungsunfähig. Hatte er im Gegensatz dazu die nötigen Finanzmittel, dann konnte er "bescholme" - bezahlen.

von Gabriele Neumann

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