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Wer schön sein will, muss essen

Sprichwörter (II) Wer schön sein will, muss essen

Schönheit ist doch eine sehr relative Angelegenheit. Dick oder dünn, groß oder klein, je nach Epoche kann alles als schön gelten. Das zeigen auch Sprichwörter im Hessischen.

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Quelle: Rolf Handke/pixelio

Marburg . Frauen können ja heute nicht dünn genug sein. Wer beim Supermodel eine Chance haben will, darf auf keinen Fall eine Konfektionsgröße haben, bei der vorne keine „3“ und hinten eine größere Zahl als „6“ steht.
Das war früher anders. Dünne Frauen galten als schlecht genährt, wenig belastbar und ganz allgemein als nicht besonders attraktiv. Sehr schön illustriert das ein Spruch, den Renate Schütz aus Wittelsberg (gebürtig aus Roßdorf) eingeschickt hat – samt dazugehöriger Anekdote.
Zwei Männer wunderten sich über die plötzlich kräftige Statur eine sonst sehr zierlichen Frau. Sie wollten der Sache auf den Grund gehen und stellten am Abend eine Leiter ans Schlafzimmerfenster der Frau. Und siehe da – sagt der eine zum anderen:
„Na - woas hu ich gesaat:
Des Mensch leit off em Stoul
enn der Ratz kricht ens Bett.“
Die Frau hatte nämlich einfach mehrere Röcke und Kleidungsstücke übereinander getragen, um die fehlenden Kilos zu kaschieren. Und nun lagen die Kleider auf dem Stuhl.
Als „Ratz“ bezeichnete man einen Marder oder Iltis, ein eher schmales Tier, das fast nur aus Haut und Knochen bestand.
Der Hinweis, dass jemand „schlecht“ aussah, richtete sich früher übrigens in der Regel auch nicht danach, wie hübsch eine Frau war, sondern „schlecht“ war gleichbedeutend mit „mager“.
Schönheit macht nicht satt
Dass aber Schönheit allein im ländlichen Raum von sehr relativem Wert war, zeigt das folgende Sprichwort, das Heinrich Möhl aus Josbach eingeschickt hat:

„Aus em schiene Deppe isst ma säich net sood on wo ma isch net sood esst do leckt ma sich ooch net sood.“

Von einem schönen Topf allein wird man nicht satt – und wo man sich nicht satt isst, da leckt man sich auch nicht satt, bedeutet das Sprichwort übersetzt.
Noch etwaas drastischer formuliert ein Sprichwort von der Mosel einen ehestiftenden Sachverhalt, der in Zeiten der romantischen Liebe als Eheschließungsgrund etwas in Vergessenheit geraten ist:

„Schönheit vergeht, aber Hektar bleibt Hektar.“

Haben Sie auch noch ein Dialekt-Sprichwort in der Schublade, das Sie gerne in der Öffentlichkeit lesen würden? Oder ein Lieblingswort, das Ihnen nicht mehr aus dem Sinn geht? Dann schreiben Sie unter dem Stichwort „Mir schwätze platt“ an die Oberhessische Presse, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder schicken Sie eine E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

Foto: www.pixelio.de

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