Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Wenn's überhaupt gar nicht mehr geht

"Goannaminaut" Wenn's überhaupt gar nicht mehr geht

Nein heißt Nein - und wenn man's zweimal sagt, erst recht. "Goanimminaut mie", das ist die Steigerung von "gar nicht" im Mittelhessischen. Im Hochdeutschen nennt man das ganz nüchtern doppelte Verneinung.

Marburg . „I can‘t get no satisfaction“ sang Mick Jagger dereinst mit einer wunderschönen doppelten Verneinung. Dass Herr Jagger von den Rolling Stones seinerzeit nicht so richtig zufrieden zu stellen war, soll uns heute weniger beschäftigen als die grammatikalische Form. Die gibt es nämlich auch im Mittelhessischen.
„Goanamminaut mie – gar nicht nichts mehr“ lautet die Wendung, mit der man zum Beispiel in Roßdorf zum Ausdruck bringt, dass man wirklich satt ist. Nach dem Kirmesessen zum Beispiel, oder wenn‘s mal wieder lecker „Bachlappe met Koaduffin un Mous“ (Bauchfleisch mit Kartoffeln und Sauerkraut) gab. „Ich wel goanamminaut mie hu“, sagt man dann. „Ich will gar nicht nichts mehr haben.“ Und während richtig scharfe Sprachwächter und solche, die sich dafür halten, gerne bei Stammtischrunden erklären, dass die doppelte Verneinung sich ja eigentlich selbst aufhebe, also eine Bejahung sei, wissen Dialektsprecher und andere entspannte Menschen, dass dem nicht immer so ist. Denn wie so oft ist die Bedeutung des gesamten Satzes mehr als die Summe der Einzelwörter. Die doppelte Verneinung im Dialekt bekräftigt meist das „Nein“
Im Hochdeutschen ist diese Verwendung inzwischen weitgehend ausgestorben. Nur in einzelnen literarischen Formen ist sie noch präsent. Zum Beispiel in Christian Morgensterns Lied von den drei Spatzen. Da sitzt der freche Hans in der Mitte und „so warm wie der Hans hat‘s niemand nicht“.
Ob warm oder kalt, in anderen Sprachen wird munter doppelt verneint. Vor allem im Englischn – und fast immer mit bekräftigender Bedeutung. Wenn Bill Withers singt: „Ain‘t no sunshine when she‘s gone“, dann freut er sich sicher nicht übers schöne Wetter. Nein, er trauert. Er trauert seiner Liebe nach. Und wir trauern ein bisschen um die doppelte Verneinung.
Haben Sie auch noch eine schöne Wendung aus Ihrem Dialekt, die Sie der Nachwelt erhalten wollen? Dann schreiben Sie uns an die OP, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg unter dem Stichwort „Mir schwätze platt“ oder schicken Sie eine E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

Voriger Artikel
Mehr aus Mir schwätze platt