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Warum haben's Linkshänder so schwer?

Sprachgeschichte Warum haben's Linkshänder so schwer?

"Manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern, werch ein illtum" dichtete einst Ernst Jandl. Im Dialekt wird links und rechts kaum zu verwechseln sein, denn oft gibt es einen eigenen Namen für links - zumindest für die linke Hand. Dass "Linkshänder" in der Regel kein Kompliment ist, liegt aber nicht an den Hessen, sondern an der Sprachgeschichte. Denn schon im Germanischen war "links" auch ein Synonym für "verkehrt".

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Die linke Hand gilt gemeinhin als die schlechtere - mit ihr will man so wenig zu tun haben wie mit einem stachligen Kaktus. Foto: www.pixelio.de

Quelle: Kokopelli

Marburg . „Geb der Dande ‚s gurre Hendche“ - gib der Tante das gute Händchen, sagte man in Treisbach, wenn das Kind der Tante die linke Hand hinstreckte. Die linke Hand galt nämlich als schlecht, die rechte als gut, und das nicht nur im Dialekt. Wer mit der linken Hand schrieb, wurde mehr oder weniger sanft umerzogen, in manchen Gebieten war „Linkshänder - Linksflutsch“ ein regelrechtes Schimpfwort.
Dass die linke Hand einen eigenen Namen hat, nämlich „Äwicht“, schreibt Ella Elmshäuser aus Bellnhausen/Fronhausen.


Für Professor Heinrich Dingeldein ist das Wort ein Beleg aus germanischer Zeit. „Ebech“ heißt schlicht „links“, aber auch „verkehrt“. Da deutet sich die Schwierigkeit für die Linkshänder schon an. Denn während „rechts“ schon im Indogermanischen mit gut, gerade und vollkommen verbunden wurde, war „links“ immer unterprivilegiert. Bis ins Mittelhochdeutsche ist „ebech“ belegt – und im Dialekt bis heute. Auch Abwandlungen davon haben sich erhalten, dabei geht es der „Linken“ nicht besser. Wenn etwas „äpsch“ ist, dann ist es verkehrt oder verkehrt herum und eben nicht richtig oder recht. Doch manches hat sich für Linkshänder global zum Guten gewandelt: Heute wird niemand mehr mit dem Stock geschlagen, wenn er mit der linken Hand schreibt.

von Gabriele Neumann

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