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Mir schwätze platt "Schlie" und "Däwerock"
Landkreis Mir schwätze platt "Schlie" und "Däwerock"
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14:14 26.04.2010
Wenn die Schlehen blühen, gibt es oft noch einmal einen Kälteeinbruch. Foto: www.pixelio.de Quelle: Uli Dreiucker

Marburg. "Wenn der holde Frühling lenzt, und man sich mit Veilchen kränzt", dichtete einst in schönstem Kitsch Friederike Kempner, die als Meisterin der unfreiwilligen Komik in die Lyrik-Geschichte einging und heute eine heiße Kandidatin für die Goldene Himbeere bei Dichter-Wettbewerben wäre. In ihrem Gedicht entfaltet sich der Frühling natürlich linear immer weiter. In Wirklichkeit gibt es nach den ersten Schönwetterperioden aber oft schlimme Kälteeinbrüche. Und weil die oft zu bestimmten Zeiten im Jahr wiederkehren, werden sie auch an bestimmten Pflanzen festgemacht. So heißt es im Ostkreis:

"Wenn die Schlie knoppe, da muss ma die Hendsche stoppe,
wenn die Schlie blieje, da muss ma die Hendsche oozieje."

Übersetzt: Wenn die Schlehen knospen, muss man die Handschuhe stopfen, wenn die Schlehen blühen, dann muss man die Handschuhe anziehen.

Im Lauf der vergangenen Wochen haben viele Leser uns Zuschriften mit Pflanzenbezeichnungen geschickt. Und da die Gartensaison jetzt wie viele Blumen in voller Blüte steht, wollen wir Ihnen die Pflanzen nicht länger vorenthalten.In Weimar zum Beispiel bezeichnet man den Schachtelhalm als "Däwerock", Sauerampfer als "Halwer-Gaul" und die Vogelmiere als "Hojerdenne", wie Gisela Keller schreibt.

Aber auch im Sommer spielen Kräuter eine entscheidende Rolle: An Maria Himmelfahrt (15. August) werden zum Beispiel im Ostkreis "Weatzweasch" - Kräutersträuße geweiht, die ganz bestimmte Pflanzen enthalten. Eine Aufstellung schickt Rosa Kißling aus Anzefahr. Demnach gehören in den Kräuterstrauß folgende Pflanzen: geale Reefoan (Rainfarn), Ruudkebb (Großer Wiesenknkopf), Wealle Flooas (Frauenflachs), Stolze Konroad (Johanniskraut), Foxschwanz (Blutweiderich), Wermeder (Wermut), Kealwerkeann (Wiesenkerbel), Schoofsrebbe (Schafgarbe), Beiwess (Beifuß) und Kameel (Kamille).

von Gabriele Neumann

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