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Mir schwätze platt "Scheusel" und "Schinnoas"
Landkreis Mir schwätze platt "Scheusel" und "Schinnoas"
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18:06 07.05.2010
Eine lachende Vogelscheuche ist bei Sonnenschein gern gesehen - doch keine Frau lässt sich gerne Vogelscheuche oder "Schudderscheusel" nennen. Quelle: Christopher Pach/pixelio

Marburg. Wissen Sie, was ein "Schuddescheusel" ist? Otto Osswald aus Cölbe hat uns dieses Wort geschickt. Gemeint ist eingehochdeutscht ein "Schotenscheusal" oder auf Hochdeutsch eine Vogelscheuche. Gemeint ist eine nicht eben besonders hübsche Frau. Im Hinterland gibt es als bedeutungsgleichen Ausdruck "Krautscheusel".
Nicht ans Geschlecht gebunden, dafür aber um so verbreiteter ist der Begriff "Schinnoas", eine Zusammensetzung aus "Schinder" (Abdecker) und "Aas". In dem Ausdruck, der sehr derb klingt, kann durchaus Positives mitschwingen, ist er doch Menschen gewidmet, die ein loses Mundwerk haben. Und die sprechen ja durchaus oft Dinge aus, die andere sich nicht zu sagen wagen. Deshalb wird "Schinnoas" auch - aber nicht immer - mit einem Augenzwinkern verwendet.
Während "Scheusel" ganz eindeutig eine Frau bezeichnet, ist der "Pääles" ein Mann, und zwar ein ziemlich schusseliger Geselle. Renate Schütz aus Wittelsberg hat den Ausdruck eingesandt. Sie ist vielen OP-Lesern als Autorin von Dialektgedichten geläufig. Die schreibt sie aber im Dialekt ihres Heimatortes Rossdorf. Renate Schütz macht sich seit Jahren um ihren Heimatdialekt verdient, war bereits bei hr4 zu hören und auch im "Bilderbogen" des hessischen Rundfunks zu sehen.
Wenn Sie auch etwas für Ihren Heimatdialekt tun wollen, schicken Sie uns Ihren Lieblingsbegriff. Es muss kein großer, bedeutungsschwerer Begriff sein. Oft sind gerade die kleinen Füllwörter im Dialekt besonders spannend. Schreiben Sie unter dem Stichwort "Mir schwätze platt" an die Oberhessische Presse, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder schicken Sie eine E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

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