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"Ruhre Ruiwe" und "Weareposte"

Kuckucksgezwitscher "Ruhre Ruiwe" und "Weareposte"

Was der Sprachwissenschaftler als Rhotazismus bezeichnet, klingt in den Ohren der meisten Mittelhessen ganz normal: das "R" ersetzt das "T" in der Wortmitte - aus roten Rüben werden "ruhre Ruiwe". Wer das einmal im Mellnauer Dialekt hören will, sollte die Seite www.mellnauerkuckuck.de nicht missen.

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Der Pfahl gehört zum Weidezaun dazu - der "Weareposte".

Quelle: Jens Bredehorn/pixelio

Marburg . Die Mellnauer lieben ihren Dialekt. Das zeigt die Seite www.mellnauerkuckuck.de sehr anschaulich im Bereich "Platt für Beigefreite". Sie illustriert Szenen aus dem Landleben mit sehr direkter, plakativer Sprache, zeigt aber auch eine lautliche Eigenheit des mittelhessischen Dialekts, den so genannten Rhotazismus. Während im Hochdeutschen das Wort „heute“ einen „t“-Laut in der Mitte hat, ist dies im Dialekt ein „r“ - „Haure“. So heißt es „Haure hängt die Wäsch drauße zom Trecken statt off der Leawe.“ Der hochdeutsche „Kaufladen“ ist ein „Keafloare“, die Zaunpfähle (Weidenpfosten) sind „Weareposte“.
Das „R“ klingt übrigens im Mittelhessischen auch ganz anders als im Hochdeutschen. In weiten Teilen wird es mit der Zungenspitze gerollt, Richtung Siegen-Wittgenstein wird der „R“-Laut immer weiter hinten im Mund gebildet, was manchem Siegerländer schon den Nimbus des englischsprachigen Ausländers einbrachte - sein „R“ klingt halt ziemlich Englisch. Den Klassiker im Zusammenhang mit diesem Laut schickte Britta Schneider aus Sichertshausen ein, die „Ruhreruiwerobbmoschien“, die Maschine zum Zerkleinern roter Bete (roter Rüben).

Kinder lieben „Dippekloon“ und Stotzegeboller“

Der Purzelbaum erfreut sich bei Kindern als Ausübung erster sportlicher Hochleistungen größter Beliebtheit - auch in der Sprache. Und weil Kinder gerne spielen, gibt es viele spielerische Formen dieses Wortes, wie Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein erklärt (auch im Podcast). Vom „Stotzelegeboller“ über „Stotzegeboller“ bis zum „Bollwerdestotz“, das Christa Hedderich-Nolte aus Dreihausen einschickte. „Geboller“ - Gepolter und „stotzele“- stürzen, werden in vielen Kombinationen spielerisch zusammengesetzt.
Lara und Janina Pietzonka aus Mardorf gehören zu der Gruppe an Plattsprechern, die den „Dippekloon“ besonders mögen. Die beiden Mädchen im Alter von 10 und 12 Jahren sprechen selbst noch Platt und erklären den „Dippekloon“ als eine Art Pausenclown, einen „Topfclown“. Der „Dippekloon“ wurde auch von Ingrid Michel aus Niederwald eingeschickt. In diese Rubrik fällt auch der „Dilldopp“, der auch im Hochdeutschen bekannte „Kreisel“, der bei kleinen Kindern als Spielzeug sehr beliebt ist.

von Gabriele Neumann

Warum das "Stotzelegeboller" so viele verschiedene Formen hat, hören Sie, wenn Sie auf den Pfeil neben dem Audiosymbol klicken.


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