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"Rudleffsfeanger" und "Kneistvirgl"

Charakterwörter "Rudleffsfeanger" und "Kneistvirgl"

Hochdeutsch kann fast jeder, und man kann im Hochdeutschen fast alles ausdrücken. Präziser und kürzer geht es aber oft auf "Platt".

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Ferkel fühlen sich zur Hautpflege im Schlamm recht wohl. Menschen meist weniger.

Quelle: Strowa

Marburg . Im Dialekt findet sich oft ein einziges Wort, das Befindlichkeiten oder Charaktereigenschaften von Mitmenschen so treffend charakterisiert wie es das Hochdeutsche nur mit vielen Umschreibungen vermag. Vielleicht liegt es daran, dass bei "Mir schwätze platt" besonders viele Einsendungen mit Wörtern solcher Charaktereigenschaften eingehen. Und die sind - im Hochdeutschen wie im Dialekt - viel spannender, wenn sie wenig schmeichelhafte Eigenschaften beschreiben.
Ein "Rudleffsfeanger" ist zum Beispiel in Hachborn jemand, der sich schnell eine Krankheit zuzieht, auch wenn er nur davon hört, beziehungsweise dauernd irgendeine Krankheit auch nur einbildet. Das schreibt Anita Jeske aus Hachborn. Der "Rudleff" - "Rotlauf" - selbst ist gar nicht so harmlos. Die akut oder chronisch verlaufende bakterielle Infektionskrankheit kommt vor allem bei Schweinen vor, ist aber auch bei anderen Haussäugetieren und beim Menschen möglich. Unbehandelt führt die Krankheit bei Schweinen innerhalb weniger Tage zum Tod und war deshalb lange Zeit von Bauern gefürchtet. Der Name rührt von den bläulich-roten Hautveränderungen her, die mit dem Rotlauf einhergehen.
Aus ganz anderem Holz ist ein "Kneistvirgl" geschnitzt. Im Hinterland bezeichnet der Begriff einen bösartigen Stichler, jemanden, der wie ein Virgl (Ferkel) gerne im Schmutz (Kneist) wühlt. Im Weimarer Raum ist derselbe Mensch als "Kneistuhr" bekannt, wie Willi und Heinz Rabenau in ihrem "plattes Wearderbuch - Mundart im Lahntal" erläutern. Das Buch enthält nicht nur eine ganze Reihe von Ausdrücken aus Weimar und Fronhausen, es listet auch viele Ausdrücke aus der Region auf, die eigentlich unübersetzbar sind.
Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und bei Willi und Heinz Rabenau erhältlich. Infos unter Telefon 06426-6118.

Ihr Dialekt ist gefragt. Schicken Sie uns Ihr Lieblingswort oder Ihren Lieblingsausdruck unter dem Stichwort "Mir schwätze platt" an die OP, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder per E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

Foto: www.pixelio.de

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