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Mir schwätze platt "Liflenner": Jungs haben's nicht leicht
Landkreis Mir schwätze platt "Liflenner": Jungs haben's nicht leicht
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12:01 05.01.2010
Werner Tuchbreiter Quelle: Neumann

Marburg. Heute lacht der 60-jährige Marburger herzlich über den "Liflenner". In seiner Kindheit wird er aber wohl das ein oder andere Mal nicht so ganz glücklich gewesen sein, wenn ihn seine Eltern oder Großeltern in seinem Heimatdorf Sterzhausen als "Liflenner" bezeichneten. Denn das bedeutete, dass er sich mal wieder nicht so betragen hatte, wie es sich Eltern von ihrem Sohn wünschen. Ein "Liflenner" - die Bedeutung leitet sich wohl vom "Liefland", einer Region zwischen Estland und Lettland ab - war nämlich ein ungezogener Junge. Einer, der, kaum dass er sauber und frisch angezogen das Haus verlassen hatte um zur Schule zu laufen, schon knöcheltief im Matsch stand um Unsinn auszuhecken. Einer, der die Mädchen neckte, einer der um Streiche nicht verlegen war. Aber so richtig böse sei das Schimpfwort nicht gewesen, beteuert Tuchbreiter, denn der "Liflenner" habe auch nie etwas wirklich Böses angerichtet. Wie der Begriff ins Hessische geriet, darüber kann auch Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein vom Deutschen Sprachatlas in Marburg nur spekulieren: eine sprachwissenschaftliche Erklärung gebe es jedenfalls nicht. Vielleicht steckt dahinter eine allgemeine Angst vor dem Fremden, in diesem Fall vor Menschen aus anderen Ländern.

Um den Podcast zu hören, in dem Werner Tuchbreiter den "Liflenner" erklärt, klicken Sie auf den Pfeil neben dem Audiosymbol.

von Gabriele Neumann

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