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Mir schwätze platt "Kochet" und "Meffilche"
Landkreis Mir schwätze platt "Kochet" und "Meffilche"
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12:49 17.03.2010
Eine Handvoll Früchte illustriert die Mengenangabe "Haffel". Foto. www.pixelio.de Quelle: Uschi Dreiucker

Marburg. Wenn die Oma früher darüber klagte, dass die Kittelschürze oder der Rock schon wieder zwickte, obwohl sie doch bei jeder Mahlzeit höchstens ein, zwei "Meffilcher" aß, dann lachten nicht nur die Enkel insgeheim. Das "Meffilche", das Mäulchen voll", ist eine jener Mengenangaben, die im Hochdeutschen kaum eine Entsprechung finden. Neben dem eigentlichen Wort fällt dabei die Verkleinerungsform auf, die leicht adipöse Menschen auch bei anderen kulinarischen Begriffen verwenden. So wird vom Kuchenverzehr bei zunehmender Stückzahl oft in "Stückchen" berichtet. Ein Beispiel. Die Oma kommt vom Geburtstagskaffee und berichtet von Magendrücken, und das, obwohl sie nur drei Stückchen Sahnetorte gegessen hat. Hätte sie es bei einem Stück belassen, wären vielleicht sowohl Magendrücken als auch Rockzwicken von selbst ausgeblieben. OP-Leser Joachim Schmidt, gebürtig aus Roßberg, hat eine schöne Serie an Mengenangaben eingeschickt. Zum Kochen und Essen gehören neben "Meffilche" auch "Puudche" - ein Pfötchen voll oder eine Prise und "Moffel" - ein echter Mund voll.

Der Geschichtsverein Weimar hat sich ebenfalls mit dem Essen befasst und das Wort "Kochet" ausfindig gemacht, eine Menge, die für eine Mahlzeit ausreicht, für einmal Kochen also. Dabei wird die Menge nicht mit dem Anhang "-voll" wie bei "Mef-filche" oder "Mof-fel" gebildet, sondern mit dem Anhang "et", der eine Gesamtheit bezeichnet. Diese Wortbildungsform ist im Hochdeutschen schon ausgestorben, aber in Einzelwörtern noch zu erkennen, etwa in "Heimat", wie Sprachwissenschaftler und Dialektforscher Professor Heinrich Dingeldein erklärt. Das "Kochet" oder "Kochets" ist die Menge, die für eine Mahlzeit, also für einmal Kochen notwendig ist.

Das "-voll" kommt aber wieder voll zum Einsatz, wenn jemand eine "Haffel", also eine Hand voll, Salz braucht, oder einen "Orwill", einen Arm voll Holzscheite, oder einen "Waawel" einen Wagen voll Heu. Die unbetonten Wortteile "-voll" werden im Lauf der Zeit nach den Lautgesetzen des Deutschen immer schwächer, deshalb wird aus "-voll" im Lauf der Zeit eben "-wil", "-wel" oder "-fil".

Auch bei "Gemoare" ist die Wortbildung wieder aktiv. Die Mahd - oder "Moare" wird in ihrer Gesamtheit mit der Vorsilbe "Ge-" zum "Gemoare", also zu dem, was gemäht worden ist. Im Hochdeutschen gibt es diese Wortbildung übrigens auch. Viele Berge werden zum Ge-birge, viele Schwestern und Brüder sind Ge-schwister.

von Gabriele Neumann