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"Klappschale" und "Knäbbeleibche"

Kinder "Klappschale" und "Knäbbeleibche"

Kinder sahen früher nicht wie kleine Erwachsene in Markenkleidung aus. Sie hatten zweckmäßige und oft auch eigens für Kinderbedürfnisse gefertigte Kleidungsstücke an, die spezielle Namen hatten. Darum geht es heute in der Serie "Mir schwätze Platt".

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Knöpfe sind beim "Knäbbeleibche" von entscheidender Bedeutung für den Halt. Foto: www.pixelio.de

Quelle: Susanne Schmich

Marburg . Wer noch alte Puppen hat und die dazugehörige Garderobe, der mag sich ein Bild davon machen, wie Kinder bis in die 50er Jahre hinein gekleidet waren. Da wurde viel gewickelt, geknöpft und gezurrt, damit die selbstgemachten Kleidungsstücke an ihrem vorbestimmten Ort blieben. Denn Kinder waren schon immer von großem Bewegungsdrang. Damit aber gleichzeitig auch die Bedürfnisse der Eltern nach schneller und ebenso zweckmäßiger Handhabung der Kinderkleidung erfüllt werden konnten, mussten die Kleidungsstücke noch mehr Anforderungen erfüllen.

Die Frauenhilfe Münchhausen entsann sich des "Knäbbeleibchens". Das war ein Leibchen, das an beiden Seiten Knöpfe hatte, an denen die Strümpfe befestigt werden konnten. Strumpfhosen gab es natürlich noch nicht. Aber die Kinder sollten dennoch im Winter warmgehalten werden. So befestigte man an den Strümpfen Knöpfe und ein Lochgummi, das am Leibchen eingehakt wurde. Sowohl Strümpfe wie Leibchen wurden übrigens in der Regel selbst hergestellt. Die Strümpfe wurden gestrickt, das Leibchen aus Leinen genäht oder aus festem Garn gehäkelt oder gestrickt.

Ebenfalls sehr zweckmäßig war die "Klappschale", an die sich Wilhelm Wege aus Ebsdorfergrund erinnert. Das war eine Jungenhose mit Leibchen, bei der das Hinterteil mit Knöpfen verschlossen wurde - und bei Bedarf wohl auch geöffnet werden konnte. Ob es derlei Kleidung auch für Mädchen gab, ist nicht überliefert. Aber vielleicht waren Jungs schon früher beim An- und Auskleiden mehr auf Schnelligkeit als auf Schönheit bedacht.

Fällt Ihnen noch ein schöner Name für besondere Kleidungsstücke im Dialekt ein? Dann schreiben Sie an die Oberhessische Presse, Stichwort "mir schwätze platt", Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder schicken eine E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

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