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Jetzt hat's aber genug "geträtscht"

Sprachgeschichte Jetzt hat's aber genug "geträtscht"

Heute wird es in der Serie "mir schwätze platt" mal wieder richtig sprachwissenschaftlich. Von der Lautmalerei bis zur zweiten Lautverschiebung reichen die Erklärungen zum schlechten Wetter und der Jaucherinne.

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Wenn der Regen so richtig in die Dachrinne trätscht, kann man auch schon mal "stotzelegeboller" in die "sudderdrusil" machen. www.pixelio.de

Quelle: Wandersmann

Marburg . So viel wie es in den vergangenen Tagen „geträtscht“ hat, man hätte glauben können, eine „Schluus“ folge auf die andere. Claudia Weber hat das „Trätschen“ eingeschickt und damit ein schönes Beispiel für ein lautmalerisches Wort geliefert. Denn was der Meteorologe seit einigen Jahren gern als „Starkregen“ bezeichnet, das hört sich genauso an wie „trätschen“ klingt.
„Schluus“ dagegen hat lautmalerisch weniger zu bieten. Es ist in mitteldeutschen Dialekten ein verbreitetes Wort für „Regenschauer“, so auch in Weimar, wie der Geschichtsverein Weimar schreibt. Nach der Hitzeperiode im Juli war mancher Landwirt froh über den Regen. Inzwischen dürfte sich der Himmel aber ausgeweint haben.
Doch weil man am Wetter sowieso nichts ändern kann, gibt es viele Sprichwörter, die Gelassenheit im Umgang mit dem Wetter nahe legen. In der Eifel sagt man zum Beispiel bei Dauerregen: „Wenn kä wedda os, farre mer Puddel“ – wenn kein Wetter ist, fahren wir Jauche (aufs Feld)“. „Puddel“ ist im heimischen Dialekt „Sudder“ oder „Sutter“, flüssiger Schmutz. Das Wort ist vielfach eingesandt worden, oft in Verknüpfung mit der Rinne, der „Drusil“ oder „Drusin“, verwendet. Und besonders beliebt ist natürlich der Spruch: „Do macht enner Stotzillergeboller vo de Dachkanel en die Sudderdrusin rob“, der auch in dieser Serie Online schon intensiv diskutiert wurde. Die Übersetzung lautet: Da macht einer Purzelbaum von der Dachrinne in die Jaucherinne, wie „Pierresch Peter“ aus Ebsdorf schreibt.
Weniger bekannt ist wahrscheinlich die Herkunft des Wortes „Sudder“. Eine mögliche Erklärung bietet das Wort „Todden“. In westgermanischen Sprachgebieten gibt es dafür die Bedeutung „Lumpen“ oder „Fetzen“. Und die zweite Lautverschiebung hat aus dem „T“ am Anfang ein „S“ oder „Z“ gemacht. Fertig ist der „Sodder“ oder „Sudder“. Für Liebhaber der Sprachwissenschaft ein kleiner Exkurs zur zweiten Lautverschiebung. Die auch als deutsche Lautverschiebung bezeichnete Wandlung fand im 7. bis 8. Jahrhundert statt und ist ein Merkmal für die Entstehung des Hochdeutschen aus dem Germanischen. Sie bescherte uns im Hochdeutschen den „Zahn“, während die Niederländer dazu „tand“ sagen, Im gleichen Zuge bescherte sie den Hessen „Sudder“.
Sprachforscher diskutieren die Ursachen und den Verlauf der Lautverschiebung immer noch kontrovers. Eines ihrer bekannteren Phänomene ist die so genannte „Dat-Wat-Linie“, eine geographische Grenze entlang der Mittelgebirge. Südöstlich dieser Grenze heißt es „das“ und „was“, nordöstlich davon „dat“ und „wat“.

von Gabriele Neumann

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