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"Hoingdonge": Mehr als ein Honigbrot

Kulinarisches "Hoingdonge": Mehr als ein Honigbrot

Eines der am meisten nachgefragten Wörter in der Dialektserie ist die „Hoingdonge“ - und das ist mehr als ein Honigbrot.

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Ein Butterbrot ist überall eine gern gesehene Stärkung.

Quelle: Siegfried Fries/pixelio

Marburg . Vor allem im Hinterland und im Wittgensteiner Land ist der Begriff „Donge“ oder „Dunge“ für ein Butterbrot verbreitet.
Mit dem Hochdeutschen ist das Wort auf keinen Fall verwandt, so viel ist schnell klar. Die tatsächliche Erklärung ist aber ebenso überraschend wie einleuchtend. „Donge“ ist eine Verkürzung von „Dongebrot“ und steht für eine mit einem nahrhaften Belag bestrichene Scheibe Brot, wie Professor Heinrich Dingeldein erklärt. „Dong“ bedeutet dabei „Dung“, eine Substanz, mit der heute wohl die wenigsten Gourmets ihr Brot bestreichen würden. Der Sprachwissenschaftler erklärt aber, dass „Dung“ sprachgeschichtlich auch die Bedeutung „nahrhaft, fett“ hatte. Und das Brot mit etwas Fettem, Nahrhaftem zu bestreichen, das wiederum ist auch heute noch weit verbreitet. Und im Wort „Dünger“ ist auch heute noch die Bedeutung des Nahrhaften und Fruchtbar machenden enthalten.
„Die Hoingdonge“, also eigentlich das „Hoingdongebrot“ ist ein Brot, das nicht nur mit Fett oder Butter, sondern auch noch mit einem süßen Aufstrich versehen ist. „Hoing“ ist dabei jeder süße Aufstrich, vor allem Rübenkraut oder Zwetschgenmus (Kwetschehoing), nicht nur echter Bienenhonig. Ein echtes Honigbrot ist eine „Biehoingdonge“. Diesen Begriff hat Willi Vogel aus Marburg eingesandt.
Gleichbedeutend mit „Donge“ wird in manchen Dörfern auch „Botter“ verwendet - eigentlich „Botterbrud“ - Butterbrot. Ilse Schwerdtfeger aus Marburg erinnert sich aus ihrer Kindheit in Anzefahr an die Begriffe „Hoingkepotter“ und „Worschtepotter“ - süß und herzhaft belegtes Brot. Und Georg Holz aus Kirchhain erzählt in diesem Zusammenhang folgende Geschichte:
„Ach woar haure earn innser Boanhobstrooß earn traff do vaier Männer, dai sich innerhailte. Do froogd ach se, earb se schu gefräisteckt härre. Joo saade se. De Kirchhaner woar bei Clause Hannes oom Berger Dur (Gaststätte und Metzgerei am Amöneburger Tor) earn hatt de Steck Brud mit Fleischworscht geasse. De Langestenner woar frou, des er vo seiner Lisbett e Fettschmeck (Brot mit Wurstfett) gräit hat. De Nerrwäller hatt e Botter-Botter (Scheibe Brot mit Butter) geasse ean de Rußdorfer hatt de Hoingdonge zou sich genomme. Na ja, se woarn alle wäier soag eran zufriere earn schwaßte weirer, woas sonst noch alles luus woar.“
So, noch Hunger? Dann schreiben Sie uns, welche Begriffe aus dem kulinarischen Bereich des Dialekts Ihnen spontan einfallen. Einsendungen unter dem Stichwort „Mir schwätze platt“ an die OP, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg.

von Gabriele Neumann

Wenn Sie hören möchten, was es mit der "Hoingdonge" sprachgeschichtlich auf sich hat, klicken Sie auf den Pfeil neben dem Audiosymbol und gelangen zur Erklärung von Professor Heinrich Dingeldein.


Foto: www.pixelio.de

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