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Mir schwätze platt Fremdes findet oft wenig Anklang: "Zores" und "Itzik"
Landkreis Mir schwätze platt Fremdes findet oft wenig Anklang: "Zores" und "Itzik"
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15:07 30.03.2010

Marburg. Nicht alles, was im Platt benutzt wird, kommt auch aus dem Dialekt. Dafür sind jiddische Wörter ein gutes Beispiel. Im Dialekt bezeichnet „Itzik“ oder „Itzich“ zum Beispiel einen Menschen, der nicht in all seinen Verhaltensweisen vorbildlich ist – oder einfacher gesagt, ein „Itzik“ ist irgendwie ein schräger Vogel. Dabei hat das Wort einen ganz und gar harmlosen Ursprung. Es ist ein Namenwort und bedeutet übersetzt „er möge lächeln“, wie Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein erklärt.

Später wurde der Name zum Teil als Synonym für Juden gebraucht und Rassismus hat zur negativen Bedeutung geführt. Wenn man fürderhin jemanden als Itzik bezeichnete, wurde die negativ rassistische Interpretation des Judentums auf diesen Namen übertragen.
Die meisten Sprecher, die den Ausdruck benutzen, dürften sich dieses Bedeutungswandels nicht bewusst sein.
Ein auch im Hochdeutschen sehr weit verbreitetes jiddisches Wort ist „Zores“, das in der Bedeutung „Streit“ verwendet wird. Abgeleitet vom Hebräischen „Zarot“ bedeutet es eigentlich „Not“, „Leid“ oder „Teuerung“. Und weil Leid oft aus Streit entsteht, hat sich die Bedeutung in der deutschen oder dialektalen Benutzung zu „Streit“ gewandelt.
Überraschend ist allerdings, dass das Wort „Zores“ auch in einer Wendung vorkommt, die die meisten Menschen nicht mit dem Jiddischen in Verbindung bringen würden, die „Saure-Gurken-Zeit“. Dabei ist „sauer“ eine Eindeutschung von „zores“ und steht für die Zeit der Leiden und der Teuerung.
Um ungewöhnliche Wörter aus anderen Sprachen, die Eingang in die Hochsprache und den Dialekt gefunden haben, geht es in der nächsten Folge von „Mir schwätze platt“. Freuen Sie sich auf die „Schabracke“ und „obsenoat“.

von Gabriele Neumann

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