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Drei Wörter für eine Zahl: "Zwie, zwou, zwa"

Dialektserie Drei Wörter für eine Zahl: "Zwie, zwou, zwa"

Wussten Sie schon, dass das mittelhessische Platt drei unterschiedliche Formen für das Zahlwort „zwei“ kennt? Für alle drei grammatischen Geschlechter - weiblich, männlich, sächlich - gibt es eine eigene Form.

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"Zwie Gäul" - zwei Pferde stehen auf der Weide.

Quelle: Karl-Heinz Laube/pixelio

Marburg . Diese Eigenheit haben mehrere Leser an die OP geschickt, Martin Buchholz aus Großseelheim erklärt das Kuriosum: Die männliche Form für zwei ist „zwie“ wie in „zwie Usse“ - zwei Ochsen. Die weibliche Form ist „zwou“ wie in „zwou Kaeh“ - zwei Kühe. Und die sächliche Form ist „zwa“ wie in „zwa Rinner“ - zwei Rinder.
Benutzt wird die Unterteilung kaum noch, und vor allem jüngere Sprecher haben Probleme, die Sonderformen richtig anzuwenden, weil sie oft den Ursprung nicht mehr kennen. Warum das Zahlwort so unterschiedlich gebraucht wird, ist vielen noch weniger bekannt.
Die Zahl zwei gibt es wohl in allen Sprachen, und oft kommt dem Paarwort eine besondere Bedeutung zu. Der so genannte „Dual“ hat deshalb auch oft eine eigene Form. Die Dreiteilung, die es heute noch im Dialekt gibt, war bis ins 18. Jahrhundert auch im Hochdeutschen gebräuchlich. Im Hochdetuschen gibt es heute höchstens noch eine Beugung des Wortes in den Genitiv, zum Beispiel in „Ein Diener zweier Herren“.
In Luthers Zeit (1483-1546) war die Benutzung des grammatischen Geschlechts noch durchaus üblich, wie das berühmte Luther-Zitat: „In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr“ belegt.
Im Mittelhessischen wie auch in anderen Dialekten verbreitet ist auch die Bezeichnung weiblicher Personen mit dem sächlichen Artikel „das“ oder „es“, oft verkürzt zu „s“. Und sehr oft wird dieser Artikel auch, anders als im Hochdeutschen, benutzt. „S‘Anna“ oder „s‘Edith“ ist deshalb im Dialekt so verbreitet, wie im Hochdeutschen oft unverständlich und keineswegs eine Diskriminierung von Frauen.
Nur lautlich verwandt mit „zwie, zwou, zwa“, aber in der Bedeutung ganz klar, ist ein Satz, der ebenfalls oft eingeschickt wird: „Wu willste da dei haa hie huu?“ - Wo willst du denn dein Heu hin haben? Diesen Satz hat unter anderem Helga Jäger aus Lohra eingeschickt.

Sie haben auch ein Lieblingswort? Schreiben Sie uns unter online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

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