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Der "Pätter" und seine Pflichten

Sprichwörter (IIIa) Der "Pätter" und seine Pflichten

Es kam, wie es kommen musste. In der Serie hat sich in der vorletzten Folge ein Fehler eingeschlichen. "Wann's Kind gehowe is, will jeder Pätter sein", bezieht sich natürlich auf die Taufe und nicht auf die Geburt. Die Bedeutung im übertragenen Sinn ist jedoch dieselbe: Wenn die Arbeit erledigt ist, kann jeder ohne Folgen sagen, er hätte es auch gerne getan.

Marburg . Unsere Leser passen auf: Zur vorletzten Folge von "Mir schwätze platt" erreichten uns mehrere Leserzuschriften, die die Bedeutung des Sprichworts "Wann's Kind gehowe is, will jeder Pätter sein" richtigstellten. Der erste Teil des Sprichworts bezieht sich natürlich nicht auf die Geburt, sondern auf das Heben des Täuflings über das Taufbecken, eine Aufgabe, die schon manchem Paten den Schweiß auf die Stirn getrieben hat. Schließlich sind nich alle Täuflinge begeistert vom Wasser, mit dem ihre Aufnahme in die christliche Gemeinschaft symbolisch besiegelt wird. Wenngleich in früherer Zeit das Sträuben nicht so heftig ausgefallen sein dürfte, wie es heute oft der Fall ist, wurden die Kinder doch meist im Alter von nur wenigen Tagen getauft. Heinrich Naumann aus Speckswinkel schickt dazu einen Beitrag, der sehr anschaulich die Beschwernisse des Taufens aus den Augen der Paten schildert.

Durch Speckswinkel und Erksdorf führte die Straße "Die langen Hessen" Oft seien dort durchreisende Frauen niedergekommen. Die Paten seien dann vom Pfarrer bestimmt worden. Das geschilderte Beispiel ist von Pfarrer Johannes Jacobi niedergeschrieben worden, der das Kirchspiel von 1689 bis 1726 betreute.

"1708, den 26. August

Jacob Belle, ein bei Höchstatt blessierter abgedankter engelländischer Soldat, und Sybilla, seine Ehefrau sind beide den 21. August nach erksdorf kommen, haben bei Thomas am rhen pernoctierte und ist das Weib des folgenden Tages ins Kindbett kommen. Das Kind wurde den 26. getauft: Margaretha

Die Gevatterinnen waren: Margaretha Immel, des Dreschers Hausfrau, und Margarethe am Rhen, Henrich am Rhens Hausfrau daselbst.

Ach, lieber Gott! Sie haben die Gevatterschaft ungern verrichtet!"

Heinrich Naumann schildert auch noch einen anderen bedeutenden Grund für die Zurückhaltung mancher Kandidaten bei der Übernahme von Patenschaften. Denn die Ehre brachte auch finanzielle Belastungen mit sich. Die Paten stellten die Erstaustattung, später jedes Jahr den Neujahrstaler, zur Einschulung und Konfirmation weitere Zuwendungen. Zur Hochzeit erwartete den Täufling dann noch der "Gorrelkorb" - der Patinnenkorb. Davor wollte sich wohl mancher Kandidat gerne drücken.

Auch Karl Prätorius aus Marburg schildert, wie der Pätterbrauch im Kirchspiel Wallau aussieht. Dort bieten sich Pätter oder Gote (Patin) an, die Patenschaft zu übernehmen. Natürlich gab es auch dabei Menschen, die diese Aufgabe besonders gern anboten, wenn sie ein anderer schon übernommen hatte, sie also weder Verantwortung noch finanzielle Folgen fürchten mussten. Und auch Ursula von Haugwitz hat den Fehler bemerkt und weist ebenfalls auf die finanziellen Folgen der Patenschaft hin, die in früheren Zeiten für die Paten beträchtliche Ausmaße annehmen konnten.

von Gabriele Neumann

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