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Das "Leeweschaalescheallerche" ist ein Riegel

Zusammensetzungen Das "Leeweschaalescheallerche" ist ein Riegel

Wer kennt es nicht in Mittelhessen, das "Leeweschaalescheallerche", ein kleines Ding mit einem großen Namen. Denn das aus drei einzelnen Teilen zusammengesetzte Wort bezeichnet den Riegel an der Dachluke.

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Ähnlich wie ein Fensterladen sehen die hölzernen Dachluken aus, über die Heu, Stroh oder Getreide auf den Dachboden der Scheune geladen wird.

Quelle: Gaby Luescher/pixelio

Marburg . Das "Leeweschaalescheallerche" erfreut sich so großer Beliebtheit, dass es gleich von mehreren Lesern eingesandt wurde. Rosa Kißling aus Anzefahr lieferte auch die hochdeutsche Übersetzung "Verschluss an der Türe zum Boden" mit. Auch Ewald Ried aus Rossdorf hat die "Leeweschaale" - "Dachluke" eingeschickt.
"Leewe" ist, so erklärt Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein, eine Nebenform des Wortes "Laube". Im Dialekt bedeutet das Wort soviel wie Dachboden oder Speicher. Die "Leeweschaale" ist eine Art Holzladen, mit dem eine Dachluke verschlossen wird, der "Schealler" oder "Schäller" ein Verschluss, meist ein Riegel wie an einer Stalltür. Dem eigentlichen Wortsinn nach ist es ein "Schalter".
An diesem Wort lässt sich auch gut die unterschiedliche Schreibung von Dialektwörtern erklären. Der Dialekt ist im Gesprochenen zu Hause. Deshalb gibt es keine Konvention zur Schreibung. Einzige Richtlinie ist, dass sich das Geschriebene einigermaßen gut vorlesen lässt. Denn erst beim Vorlesen wird bei manchen Wörtern die Bedeutung klar. Denn den fünf Vokalen im Hochdeutschen stehen im Dialekt meist wesentlich mehr - auch bedeutungsunterscheidende - Vokale gegenüber. Man behilft sich mit "ea", "ae", "ou", "uo" für Zwischentöne und Verbindungen von zwei Vokalen (Diphtonge) oder drei Vokalen (Triphtonge).
Wer Dialektbegriffe oder Sprichwörter schriftlich festhalten will, sollte eine einmal eingeschlagene Schreibkonvention beibehalten, empfiehlt Dingeldein. Richtig oder falsch gibt es also nur sehr bedingt bei der Rechtschreibung des Dialekts.
Oft gibt es im Dialekt besonders detaillierte Beschreibungen für landwirtschaftliche Gerätschaften, Gartenbau oder den häuslichen Bereich. Dass das Platt aber auch ganz aktuelle Ereignisse in der Wortbildung aufgreift, zeigt der "Butzeschnuppe" - die "Schweinegrippe", der jüngst aus gegebenem Anlass den Eingang ins Mittelhessische fand.
Schicken Sie uns Ihr Lieblingswort oder Ihr Lieblingssprichwort unter dem Stichwort "Mir schwätze platt" an die OP, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder per E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

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