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Mir schwätze platt Das "Hermesvoilche" gilt als Himmelsbote
Landkreis Mir schwätze platt Das "Hermesvoilche" gilt als Himmelsbote
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15:28 09.02.2010
Marienkäfer gelten in vielen Ländern als Glücksbringer. Quelle: Heike Dreisbach/pixelio

Marburg. Wer einen Käfer in seiner Wohnstube erblickt, greift im Allgemeinen beherzt zum Hausschuh und befördert das kleine Tier im ins Jenseits. Oder - wenn er ein echter Tierfreund ist, öffnet er das Fenster und bittet den ungebetenen Gast, seine Gemächer alsbald zu verlassen. Hat der Käfer aber rote Flügel und sieben (oder mehr) schwarze Punkte, ist er also ein klassischer Marienkäfer, dann liegt die Sache ganz anders.

Kinder lassen den Käfer auf ihre Hand krabbeln und ihn dann von der Fingerspitze wegfliegen. Denn sie wissen: Das bringt Glück. Der Marienkäfer ist der Glückskäfer schlechthin. Er wird in Schokolade, Marzipan oder Keramik verewigt, kann als Anhänger, Brosche oder Kinderkleidung verschenkt werden. Sein Name ist Programm. Im gesamten indoeuropäischen Sprachraum gilt der Marienkäfer als Verbindungsglied zum Jenseits, zum Himmel, erklärt Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein. In eher katholisch geprägten Gegenden ist der Name mit der Marienverehrung gekoppelt - Marienkäfer - in anderen Gegenden ist der Käfer auch als Herrgottskäfer bekannt. Im mittelhessischen Dialektgebiet gibt es ebenfalls viele Namen für den Käfer. Sabine und Hans Kühn schickten zum Beispiel das "Hermesvoilche" - das Hergottsvögelchen. Ähnlich ist das "Härjelzoosche" im Hinterland gelagert, das Kurt Sänger einsandte.

Ein weiterer Glückskäfer ist übrigens der Maikäfer, der im Mittelhessischen auch als "Miawwel" oder "Maaajemiawwel" bekannt ist. Auch dieser große Käfer gilt als Glücksbringer.

von Gabriele Neumann

Den Podcast zum Marienkäfer mit Professor Heinrich Dingeldein hören Sie, wenn Sie auf den Pfeil neben dem Audiosymbol klicken.

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