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Landkreis Kaffee mit dem Ministerpräsidenten
Landkreis Kaffee mit dem Ministerpräsidenten
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21:58 05.08.2013
Sommerreise im Wahlkampf: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (links, CDU) unterhält sich in Frankfurt im Kapuzinerkloster Liebfrauen mit Obdachlosen. Zuvor hatte er mit anderen Ehrenamtlichen Frühstück ausgeteilt. Foto: Roland Holschneider Quelle: Roland Holschneider
Frankfurt

Im Kapuzinerkloster Liebfrauen mitten im Geschäftszentrum in Frankfurt bekommen jeden Tag 160 bis 180 Menschen in Not ein Frühstück. Eigenbeitrag: 50 Cent. „Die Einrichtung gibt es seit 20 Jahren“, sagt Bruder Paulus Terwitte, Leiter des „Franziskustreffs“. 60 Prozent der Gäste seien obdachlos. Die anderen haben eine Wohnung, vielleicht auch einen Job, kommen aber trotz Hartz IV und anderer Hilfen nicht über die Runden. Das Frühstück - herzhaftes Brot, Aufschnitt, geschnittene Gurken - wird von ehrenamtlichen Helfern serviert. Bouffiers Frau Ursula schenkt an diesem Morgen Kaffee aus, der Regierungschef hilft mit und ist bald in Gespräche vertieft.

Lieblingsthema Ehrenamt

Für den 61-Jährigen Bouffier, der um seine Wiederwahl als hessischer Ministerpräsident kämpft, geht es an diesem Morgen um das Ehrenamt. Das ist eines seiner Lieblingsthemen: Bürger sollen sich engagieren und einander helfen. Der Staat könne nicht alle Probleme lösen. Sogar in die hessische Verfassung will er als Staatsziel Förderung des Ehrenamts schreiben lassen - das ist ein zentraler Vorschlag seines Wahlprogramms. Um Wohnungsnot, um explodierende Mieten im Ballungsraum Rhein-Main geht es bei dem Obdachlosentreff nicht. Auch nicht um die Frage, warum Menschen zwar arbeiten, aber trotzdem als „Aufstocker“ noch Sozialhilfe brauchen. „Wir haben einen funktionierenden Sozialstaat“, sagt der konservative Politiker Bouffier. Es werde aber immer Menschen geben, die durch das Raster fallen. Denen müsse man helfen.

Wahlkämpfer von SPD, Grünen oder Linkspartei würden nun auf das Stichwort Mindestlohn kommen - Bouffier will solche einfachen Lösungen nicht, kein „Schwarz-Weiß“.

Dabei stellt sich für Uwe Ernst jeden Tag die Frage, ob das Geld zum Überleben reicht. „Viele haben es auch mit Job schlecht.“ Der 51-jährige gelernte Maurer lebt seit 20 Jahren in Frankfurt. Obdachlos sei er nicht, berichtet er. Aber er hat keine feste Arbeit. „Ich bin fast jeden Morgen um fünf bei der gewerblichen Arbeitsvermittlung.“ Ein, zweimal in der Woche hat er Glück, manchmal aber auch nicht. In diesem Jahr sieht es ganz mau aus. Zwar wird in Frankfurt viel gebaut, aber ausländische Hilfskräfte verdingen sich billiger.

In den Wochen, in denen nichts läuft, kommt Ernst morgens zum Franziskustreff. „Wo kriegt man schon in Frankfurt ein Frühstück für 50 Cent?“, fragt er. „Die Leute hier sind zuvorkommend, fröhlich, das kann man schon sagen.“ Die freundliche Behandlung bei den Kapuzinern soll den Menschen am Rande der Gesellschaft ihre Würde zurückgeben. Auch der kleine Eigenbeitrag vermittele das Gefühl, nicht nur Almosenempfänger zu sein, erklärt Bruder Paulus. Bouffier hat keine Berührungsängste. Er legt den Arm auf die Stuhllehne seines Nachbarn, fast nimmt er den jungen Mann in den Arm. Dass er auf eine joviale Art gut mit Menschen umgehen kann, ist eine seiner Stärken auch für diesen Wahlkampf.

Bouffier in Arbeitskluft

Nächste Station in dem Dorf Biebergemünd-Breitenborn: Bouffier entsteigt in orangener Arbeitskluft einem Kleinbus, umgebaut zum mobilen Supermarkt. Das Vehikel des Behindertenwerks Main-Kinzig versorgt Orte mit Lebensmitteln, in denen es sonst keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt. Bouffier ist beim nächsten Lieblingsthema, dem demografischen Wandel. Auch der Landflucht soll mit Bürgersinn und Eigeninitiative begegnet werden. Aufgabe sei, „dass auch im ländlichen Raum ein lebenswertes Leben erhalten werden soll“. Einige Bürger haben einen Korb an die Straße gestellt - der rollende Laden soll halten.

Themen wie Ehrenamt, Bevölkerungswandel oder Heimat liegen Bouffier, der einst als Innenminister eher den harten Kerl gab. Weiche Themen rangieren auf seiner Sommerreise noch vor hartenFragen wie Wirtschaft oder Energiewende. Als Ministerpräsident sei er Landesvater, aber nicht in einer „Papa-Rolle“, um alle zu streicheln, betont er. „Aber ich versuche, alle zu erreichen.“ Und das gilt an diesem Tag auch noch für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Großenlüder und Hilfspolizisten in Hungen.

von Friedemann Kohler

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