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Landkreis In Marburg blieb die Panik aus
Landkreis In Marburg blieb die Panik aus
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15:28 12.03.2012
Thorsten Junk von der Lahn-Apotheke in Marburg präsentiert die Smartphone-App und die Informationsbroschüre. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

In den Tagen nach der Reaktor-Katastrophe gab es aufgrund einer unklaren Nachrichtenlage auch Unsicherheiten in der deutschen Bevölkerung - auch wenn die Gefahr, dass radioaktives Material von Japan auch Deutschland erreicht von Experten schnell als sehr gering eingestuft wurde. So erinnern sich Apotheker aus dem Landkreis an vereinzelte Anrufe von besorgten Kunden, die sich über Jod-Präparate informierten.

Diese Präparate sättigen die Schilddrüse so stark mit Jod, dass sie kein radioaktives Jod mehr aufnehmen kann. Einer Umfrage der OP unter mehreren Marburger Apotheken zufolge gab es vereinzelt Nachfragen nach Jod-Tabletten oder anderen vorbeugenden Medikamenten. "Dies hängt auch damit zusammen, dass Jod in der Konzentration, wie es zum Strahlenschutz benötigt wird, nicht in Apotheken erhältlich ist", erläutert Thorsten Junk von der Marburger Lahn-Apotheke. Stattdessen seien als Schutzmaßnahme gegen Strahlung Tabletten nötig, die um den Faktor 1000 höher dosiert seien. Diese Jod-Tabletten werden von den Bundesländern eingelagert, um sie im Bedarfsfall an die Bevölkerung auszugeben.

Um Unsicherheiten in der Bevölkerung vorzubeugen, wurden verschiedene Aufklärungsaktionen organisiert. Der Hessische Apothekerverband (HAV) hatte beispielsweise Informationszettel in den Apotheken des Landkreises ausgelegt, wie Dr. Susanne Rück, Sprecherin der Apotheken in Marburg und dem Umland berichtet. Auf diesem Wege sei die Bevölkerung über die Jodversorgung und andere potenzielle Gefahren und Schutzmaßnahmen informiert worden.

Einen ähnlichen Weg ging auch die Lahn-Apotheke. In einer Beilage, die regelmäßig in der OP erscheint, versuchte man die Leser zu erreichen. "Es ging vor allem um die Frage: Muss ich jetzt etwas tun und Jod-Tabletten lagern?", sagt Thorsten Junk.

Neben der präventieren Aufklärung über die potenziellen Gefahren der Fukushima-Katastrophe erreichten die auf Versorgung spezialisierte Lahn-Apotheke auch konkrete Gesuche von Firmen, die Mitarbeiter in Zweigstellen oder Tochterunternehmen in Japan schicken mussten und sich über gesundheitliche Gefahren aufklären wollten. Zu diesem Zweck richtete die Apotheke eine Hotline ein, die durchgehend erreichbar war. Zudem wurden die betroffenen Personen mit Jod-Tabletten versorgt.

Um in ähnlichen Fällen eine gute Kommunikation mit der Apotheke zu gewährleisten, existiert auch eine kostenlose Smartphone-App des Wort & Bild Verlags. Mit dieser ist es unter anderem möglich, im Ausland Medikamente zu fotografieren und das Bild direkt an seine Stamm-Apotheke zu schicken, falls man unsicher ist, ob man dieses Medikament einnehmen darf. Im Bedarfsfall werden auch Medikamente ins Ausland geliefert. Die Technik zielt aber nicht nur auf Kunden im Ausland ab: "Die Entwicklung von Apps wird eine Zukunft haben, weil es auch innerhalb Deutschlands immer weniger Ärzte im ländlichen Raum gibt", so Thorsten Junk. Denn damit könne die Kommunikation und Betreuung vereinfacht werden.

von Tobias Thiele