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Ihre Karriere, bitte! Meine Tischrede und ich
Landkreis Ihre Karriere, bitte! Meine Tischrede und ich
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10:45 20.07.2011
Inge Maisch unterstützt und berät Berufstätige als Coach.

„Ich war immer überzeugt davon, dass ich, wenn ich einmal eine Tischrede halten muss, dies leicht und locker machen kann. Doch jetzt fühle ich mich von dem Wunsch meines Chefs überfordert, unsere möglichen Vertragspartner mit einer launigen Rede beim einem gemeinsamen Abendessen willkommen zu heißen zur nächsten Verhandlungsrunde und ihn dabei zu vertreten.“

Die Knigge-Regeln für eine geschäftliche Tischrede kannte meine Klient Thomas G., der als Vertriebsleiter in einem internationalen Pharmakonzerns tätig ist. Etwa, dass er ein paar Tage vor dem Geschäftsessen das Restaurant über seine zehnminütige Tischrede nach der Vorspeise informiert, damit die Küche den Ablauf des Essens entsprechend planen kann. Er wusste auch, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, mit dem Messer an das Glas zu klopfen, sondern dass er vielmehr mit seinem Aufstehen, einem freundlichen Lächeln und Blickkontakt zu den übrigen Gästen auf die kommende Rede aufmerksam macht.

„Nur, was mache ich, wenn ich vor lauter Aufregung anfange mit der Stimme zu wackeln. Meine Rede soll unter anderem dazu beitragen, das bislang zähe Gespräch zwischen unseren Vertragspartnern und uns zu erleichtern.“ Im Coaching versuchten wir zunächst, mit Atemtechniken und dem Tipp, sich beim Aufstehen zu seiner Rede gedanklich fest mit beiden Füßen im Boden zu verankern, seine Nervosität zu lindern. Als nächstes trainierte er mental, sich vorzustellen, wie er sich in Geduld fasst, bis alle Gespräche unter den Gästen verstummt sind, und diese sich ihm zuwenden und zuhören, auch wenn ihm das Warten fast endlos erscheint.

Die größte Herausforderung sah er jedoch in der Rede selbst. Erst der Hinweis, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel habe einmal gesagt, für jede Minute Redezeit benötige er mindestens eine Stunde Vorbereitungszeit, half ihm dabei, zunächst die Rede auszuarbeiten und Wort für Wort aufzuschreiben. Für den Einstieg wählte er ein Kompliment an die Anwesenden, indem er darauf hinweist, dass mit den 15 Gästen mindestens 150 Jahre Know How beim Geschäftsessen versammelt sind, wenn er von einer durchschnittlichen Berufserfahrung von 10 Jahren ausgeht. Nachdem er die Rede ausgearbeitet hatte, übertrug er die wichtigsten Stichworte auf Karteikarten und übte seine Tischrede so lange, bis er sie frei halten konnte, mit den Karteikarten als Unterstützung.

„Ich hätte nie gedacht, wie viel Arbeit ich in eine heiter klingende Tischrede investieren muss. Der Aufwand hat sich gelohnt, das erzählte mir am Ende der Beifall und die zufriedene Miene meines Chefs am nächsten Tag.“

von Inge Maisch

Checkliste für „Meine Tischrede und ich“
1.) Eine gelungene Tischrede kann privat und im Beruf den Erfolg eines Geschäftsessens, eines Geburtstagsfestes beeinflussen und beflügeln.
2.) Bei Festen oder Geschäftsessen sollte das Restaurant oder der Partyservice über den Zeitpunkt und die Länge einer Rede informiert sein. Mehrere Tischreden sollten ebenfalls abgestimmt werden.
3.) Wenn es keine zeitliche Vorgabe für eine Rede gibt, liegt die ideale Länge für eine Tischrede zwischen drei bis fünf Minuten.
4.) Der Einstieg in eine Rede ist entscheidend. Deshalb arbeiten gute Redner bei der Vorbereitung einer Rede oft Stunden an ihren ersten Sätzen. Oft unter Zuhilfenahme des Internets für passende Zitate und geschichtliche Daten.
5.) Bei Lampenfieber kann eine gezielte Atemtechnik und ein gutes Körperbewusstsein dabei helfen, die Unsicherheit zu überspielen. Verlieren Sie dennoch den Faden, dann können Sätze, wie, ‚ich spule noch einmal ein paar Sätze zurück und beginne neu‘ oder ‚jetzt hoffe ich, ich finde den verlorenen Faden wieder‘ Sie hilfreich dabei unterstützen, Ihre Tischrede fortsetzen zu können.

Das OP-Expertenteam
Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg
Frank Hüttemann, Referent Wirtschaftsförderung Landkreis Marburg-Biedenkopf
Claudia Schäfer, Frauenbeauftragte, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Barbara Schade, Diplom-Psychologin und Referentin, Klinik für Psychosomatik, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Elke Seim, Berufsberaterin, Agentur für Arbeit, Marburg

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