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Ihre Karriere, bitte! Bitte negativ denken
Landkreis Ihre Karriere, bitte! Bitte negativ denken
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12:36 15.09.2011
Inge Maisch unterstützt und berät Berufstätige als Coach.

Ich soll negativ denken? Fast täglich bekomme ich Tipps in den unterschiedlichen Medien, wie wichtig es für mich ist, positiv zu denken, damit ich in meinem Beruf oder meinem Privatleben erfolgreich bin. Und jetzt soll ich bitte negativ denken? Sie haben Recht. Aber so platt ist die Aussage auch wieder nicht gemeint. Sie ist vielmehr als Anregung gedacht. Denn im Coaching zeigt sich immer wieder, dass Klienten unterschiedlich mit der Aufforderung „think positive!“, „denke positiv!“, umgehen. Klienten, denen es überwiegend leicht fällt, sich selbst zu motivieren und leistungsorientiert zu arbeiten, haben selten Schwierigkeiten damit, sich ihre beruflichen Ziele farbenprächtig auszumalen und dafür zu sorgen, diese auch zu erreichen und erfolgreich im Beruf zu sein.

Dagegen erleben sich Klienten, die eher zurückhaltend sind, die eher an sich zweifeln oder die eher problemorientiert sind, häufig als überfordert und wie gelähmt, wenn sie dazu aufgefordert werden, sich phantasievoll und kreativ ihre berufliche Zukunft vorzustellen. Sie fühlen sich oft durch ein „think positive“ weniger beflügelt als vielmehr gebremst. Für sie scheint es hilfreicher zu sein, wenn sie sich konkrete und machbare Ziele vornehmen und sich dabei auch die Frage stellen, was denn im schlimmsten Fall passieren kann, wenn sie sich für einen bestimmten Weg entscheiden und am Ende ihre Ziele gar nicht oder nur unzulänglich erreichen. Durch den bewussten Blick auf den schlimmsten Fall, durch das Veranschaulichen eines möglichen Misserfolges wissen sie, was alles schief gehen kann. Die meisten von ihnen trauen sich dann, das Risiko zu wagen und gehen den von ihnen ausgewählten Weg. Oder sie setzen sich neue Ziele und wägen hierfür Erfolg und Misserfolg gründlich ab.

Schwerer haben es Klienten, die sich in ihren Träumen viele bunte Erfolgsbilder malen und ihre Ziele klar formulieren können, jedoch davor zurückschrecken, die dafür notwendigen konkreten Schritte auch zu gehen. Sie bleiben meistens weniger erfolgreich, als sie es sich erträumen und aufgrund ihrer Stärken und Fähigkeiten sein könnten. Manchmal hilft es ihnen, wenn auch sie sich den schlimmsten Fall vorstellen und in Ruhe die Unsicherheiten durchdenken, die sie eingehen, wenn sie sich tatsächlich für ihren von ihnen ideenreich skizzierten Weg entscheiden und diesen dann täglich Schritt für Schritt weiter verfolgen.

von Inge Maisch

Checkliste für „Bitte negativ denken“
1.) Wir reagieren unterschiedlich auf Aufforderungen von außen, etwa auf die Anregung, möglichst positiv zu denken und damit erfolgreich zu sein.
2.) Für leistungsstarke Menschen kann die Aufforderung, sich ihre Erfolge farbenprächtig auszumalen, eine sehr starke Motivation sein, die von ihnen skizzierten Ziele auch zu erreichen.
3.) Für viele Menschen ist es jedoch hilfreicher, sich die Zukunft positiv vorzustellen und sich gleichzeitig konkret damit auseinander zu setzen, welche Hindernisse auf dem Weg liegen können und wie diese konkret weggeräumt werden können.
4.) Hilfreich kann hierbei die Frage sein, was eigentlich im schlimmsten Fall passieren kann.
5.) Menschen, die einerseits recht motiviert sind, sich andererseits eher davor scheuen, hart für ihre Vorstellungen zu arbeiten, lassen sich gerne darauf ein, in ihren Tragträumen Erfolgsphantasien zu skizzieren, ohne sie jedoch dann Realität werden zu lassen. Ihnen kann manchmal ein Coaching helfen, tatsächlich so erfolgreich zu sein, wie sie es sich selbst wünschen.

Das OP-Expertenteam
Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg
Frank Hüttemann, Referent Wirtschaftsförderung Landkreis Marburg-Biedenkopf
Claudia Schäfer, Frauenbeauftragte, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Barbara Schade, Diplom-Psychologin und Referentin, Klinik für Psychosomatik, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Elke Seim, Berufsberaterin, Agentur für Arbeit, Marburg

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