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Mit puristischem Sideboard zum Sieg

Wettbewerb „Gute Form“ Mit puristischem Sideboard zum Sieg

Gut 100 Stunden hat ­Jannik Arnold in sein ­Gesellenstück als Schreiner investiert. Die akri­bische Arbeit hat sich ­ausgezahlt: Er ist Hessensieger des Wettbewerbs „Die Gute Form“.

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Jannik Arnold (rechts) mit seinem Ausbilder Christian Hallenberger in der Werkstatt von Rabe ­Innenausbau.

Quelle: Andreas Schmidt

Simtshausen. Puristisch und edel sieht es aus, das Sideboard, mit dem Jannik Arnold den Hessentitel im Wettbewerb „Die Gute Form“ erreichte. Der weiße Korpus sitzt auf einem Gestell aus schwarz lackiertem Stahlrohr. In der Mitte der Front sitzt eine anthrazitfarbene Platte – auf den ersten Blick offenbart das Sideboard weder das ausgeklügelte Innenleben noch die zahlreichen Stunden, die der Geselle in sein Stück investiert hat.

Doch die „inneren Werte“ machen – neben dem Design – die Besonderheit des Möbels aus. Der linke Teil des Korpus fährt nach einem leichten Druck nach links und gibt einen verdeckten Stauraum frei. Der Schubdeckel des Mittelteils gleitet, gelagert in einer Nut, nach hinten und unten – ohne den Korpus zu berühren.

Für einen gleichmäßigen Druck sorgt ein Federdruckbeschlag auf Kunststoffrollen. Und den rechten Teil des Sideboards bildet eine Schublade in Vollauszug – die ebenfalls auf einen leichten Druck hin öffnet.

Ziel war ein zeitloses Möbel mit klassischen Linien

„Vom Stil her ist das Sideboard dem Purismus zuzuordnen“, sagt Jannik Arnold. „Ich wollte ein einfaches Möbel ohne Schnörkel, ganz schlicht und mit klaren Linien haben“, erzählt der 21-Jährige. Ziel sei es gewesen, ein Möbel zu erstellen, „das zeitlos ist und das ich immer verwenden kann. Denn das Gesellenstück ist wohl das Stück, das man am intensivsten plant“, erzählt Arnold.

Die Inspiration sei durch die tägliche Arbeit gekommen, die endgültige Form habe er während der Planung festgelegt. Die ersten Versuche seien noch in andere Richtungen gegangen, „unser Berufsschullehrer hat gesagt, ein gutes Gesellenstück entstehe im Kopf schon im ersten Lehrjahr. So weit war ich damals noch nicht“, sagt er lachend.

Doch nach und nach habe das Stück Gestalt angenommen. Neben der Form war dem Allendorfer auch die Haptik sehr wichtig. Daher setzte er für den Korpus auf eine „Fenix-Vollkernplatte“, die mit Nanotechnologie behandelt wurde – sehr hart, dennoch mit einer leicht samtigen und matten Oberfläche und widerstandsfähig gegen Kratzer und Fingerabdrücke ( Privatfoto).

„Das ist ein sehr schönes Material“, schwärmt Arnold, „aber leider auch sehr teuer“. Doch das war ihm für sein Gesellenstück, das mittlerweile auch einen Platz in seiner Wohnung gefunden hat, egal.

Mit dem Sideboard gewann Jannik Arnold zunächst den Wettbewerb auf Innungs-Ebene – dann fand in Gießen der Landeswettbewerb statt, an dem 19 junge Tischler teilnahmen. „Es hätte auch genau so gut ein anderes Stück gewinnen können, denn es waren alle gut“, sagt der Sieger anerkennend. Er habe sich alle Stücke interessiert angeschaut, „dass ich erster geworden bin, war natürlich super“.

Im Mai steht der 
Bundesentscheid an

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit den Worten: „Die grafische Anmutung des Möbels stützt sich einerseits auf den Kontrast von Weiß und Anthrazit, andererseits auf die Sprache der Linien und Fugen, die im Gesamtkontext unterschiedliche Funktionen übernehmen“.

Mit dem Sieg einher geht ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro. Außerdem wird Arnold – gemeinsam mit dem zweitplatzierten Matthias Rüb aus Fulda – beim Bundesentscheid 2017 im Mai in Hannover antreten.

Eine Anekdote am Rande: Rabe Innenausbau aus Simtshausen stellte bereits im vergangenen Jahr mit Maurice Jannermann den Hessensieger des Wettbewerbs ( die OP berichtete). Wie kommt‘s?

„Er ist einfach gut“, kommentiert Chefin Silke Rabe lachend. Und ihr Mann Fritz Wolf konkretisiert: „Es treffen einfach ein paar Qualitäten aufeinander. Denn es liegt ja nicht an uns, sondern an den Auszubildenden.“ Wenn diese die Fähigkeiten, den Willen und die Qualifikation haben, dann ist durch uns vieles möglich.“

Und Wolf weiß: „Einen Wettbewerb gewinnen – das ist immer auch ein Stück glückliche Fügung.“ Man müsse „im richtigen Moment an der richtigen Stelle mit dem richtigen Stück den Zeitgeist treffen“.

von Andreas Schmidt

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