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Kriegsopfer erhalten ein Gesicht

Verein Dorfleben Buchenau Kriegsopfer erhalten ein Gesicht

Nach dem Buch mit der Auflistung aller Konfirmanden des vergangenen Jahrhunderts, haben sich die Hobbyhistoriker ein neues Projekt vorgenommen.

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Willi Balzer zeigt die Fülle an Informationen, die der Arbeitskreis Geschichte bisher gesammelt hat: Fotos, Todesanzeigen, Zeitzeugenberichte und historische Dokumente.

Quelle: Sascha Valentin

Buchenau. Der Arbeitskreis Geschichte im Verein Dorfleben will ein Buch mit den Lebensgeschichten der 122 Opfer des Zweiten Weltkriegs aus Buchenau und Elmshausen herausgeben.

Die Recherchen liefen in vollen Zügen, sagt Willi Balzer, treibende Kraft hinter dem Projekt. Von fast allen betroffenen Familien hätten sie bereits zahlreiche Unterlagen wie Schriftstücke, Todesanzeigen und Fotos zur Verfügung gestellt bekommen.

Auch die Onlinesuche des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge sei eine wichtige Quelle. Dort brauche man nur den Namen des Soldaten einzugeben und bekomme ein komplettes Datenblatt zum Tod der Person.

Arbeitskreis bittet 
Bevölkerung um Beiträge

Das Interesse im Dorf an dem Projekt sei jedenfalls groß, sagt Balzer. In jeder Familie gebe­ es sicher jemanden, der die ­Geschichte an seine Vorfahren bewahren wolle und sich dafür interessiere. Genau diejenigen suchen er und sein Team nun.

„Wir versuchen, aus jeder Familie eine Person zu finden, die die Geschichte ihrer gefallenen und im Krieg getöteten Angehörigen aufschreibt“, erklärt Balzer. Das müssten gar keine ausufernden Texte sein, sondern einfach einige Angaben zum Leben, den Familienverhältnissen und dem Tod der jeweiligen Person. Denn Ziel des Buches ist es, den Opfern des Krieges ein Gesicht zu geben sowie an sie und ihr Schicksal zu erinnern.

Den Ursprung hatte das Projekt vor zwei Jahren bei der 777-Jahr-Feier, als der Arbeitskreis eine Präsentation über die gefallenen Buchenauer zeigte. Darauf habe es eine sehr große Resonanz gegeben, erzählt Balzer. Die spiegelt sich auch in zahllosen Dokumenten wider, die er und seine Mitstreiter jede Woche von Buchenauer Bürgern erhalten. Mittlerweile füllt das Material vier große Ordner.

Neben den Geschichten, die die Familienangehörigen verfassen, finden sich darunter ­etliche Zeitzeugenberichte oder auch Schriftstücke, wie etwa ein Brief, den die Buchenauer Schüler 1943 an alle Soldaten an der Front geschrieben haben, um ihnen vom Leben in der Heimat zu berichten.

Balzer berichtet von bewegenden Geschichten

Dabei kämen auch jede Menge bewegende Geschichten zusammen, gibt Balzer zu. Wie etwa die Berichte von Zeitzeugen, die sich noch genau an die Schreie der Väter und Mütter erinnerten, als der Bürgermeister ihnen die Nachricht vom Tod ihrer Söhne überbrachte. „Das war damals ein gefürchteter Moment“, erzählt Balzer. Wenn der Bürgermeister am Nachmittag sein Haus verlassen hat, habe jeder immer gehofft, dass er nicht zu ihnen kommt. Denn gute Nachrichten habe er nie dabei gehabt.

Nicht minder bewegend ist die Geschichte der Familie, die alle­ drei Söhne verloren hat. Oder das Schicksal von Karl Weigand senior und Karl Weigand junior. Es gebe viel zu erzählen, sagt Balzer, und das soll mit diesem Buch getan werden.

Neben den gefallenen Soldaten soll in dem Buch auch an die Buchenauer Opfer des Judenpogroms vom 5. September 1939 sowie der Bombenangriffe auf Buchenau und Dautphe erinnert werden. Denn auch bei dem Fliegerangriff auf Dautphe sind Buchenauer Bürger getötet worden. Bis die Arbeiten am Buch abgeschlossen sind, würde es laut Balzer mindestens noch zwei bis drei Jahre dauern.

von Sascha Valentin

Mit dieser Collage, die der Arbeitskreis zur 777-Jahr-Feier präsentierte, fing alles an. Nun soll die Geschichte aller Kriegsopfer aus Buchenau und Elmshausen in einem Buch zusammengetragen werden. Privatfoto
 
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