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Hinterland Zwischen Hoffen und Bangen
Landkreis Hinterland Zwischen Hoffen und Bangen
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06:16 17.03.2012
Sechs Schlecker-Märkte im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden ab 24. März wohl geschlossen. Das teilte das insolvente Unternehmen am Mittwoch mit. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Marburg. Die schlechte Nachricht kam am Mittwochvormittag per Fax und E-Mail: Schlecker schließt wahrscheinlich gut 2.000 Filialen in ganz Deutschland. Eine vorläufige Streichliste hängte der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gleich hinten dran und ließ per Pressestelle betonen, dass es sich noch um vorläufige Listen handele, da sich durch die laufenden Beratungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft noch Änderungen ergeben könnten.

Die Mitarbeiter der betroffenen Filialen wurden laut Schlecker bereits am Dienstag über die vorläufigen Schließungspläne informiert. "Neben der Information, ob der jeweilige Markt voraussichtlich geschlossen wird, hat Schlecker gegenüber den Mitarbeitern nochmals deutlich erläutert, dass die Schließung eines Marktes nicht zwangsläufig mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einhergeht", teilte die Pressestelle des insolventen Unternehmens weiter mit. Die wirtschaftlich unvermeidlichen Entlassungen würden einem Sozialplan folgen, dessen Ausgestaltung noch Teil der laufenden Gespräche zwischen dem vorläufigen Insolvenzverwalter und dem Gesamtbetriebsrat sowie der Gewerkschaft Verdi sei.

Derzeit betreibt Schlecker deutschlandweit rund 5.400 Filialen, 2010 werden der Streichliste nach am übernächsten Samstag zum letzten Mal geöffnet haben. Möglicherweise kann es bei den Schließungen noch zu kleinen Veränderungen kommen - doch für die meisten Läden ist das Aus ziemlich sicher. Von den rund 400 Filialen, die zuletzt noch auf wackeligen Füßen standen, sind dem Vernehmen nach rund 120 gerettet, über 280 spricht Geiwitz noch mit den Arbeitnehmervertretern.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind sechs Filialen der Drogeriekette betroffen: Ab 24. März werden die Verkaufsflächen in der Marburger Universitätsstraße, die am Kurpark in Bad Endbach, die in der Marktstraße in Gladenbach sowie die Märkte in Schweinsberg, Dreihausen und Wetter leer stehen.

Wie es mit den Mitarbeitern dieser sechs Filialen weitergeht ist derzeit noch genauso unklar, wie der Verbleib der Beschäftigten der anderen Märkte, die geschlossen werden sollen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Geiwitz will insgesamt 11.750 Stellen streichen, um das Unternehmen ab April mit schwarzen Zahlen weiterzuführen. Eine Verdi-Sprecherin erklärte am Mittwoch, der Gewerkschaft fehle immer noch ein Konzept, wie es mit den verbleibenden Filialen weitergehen solle. Für den Donnerstag seien bundesweit Betriebsversammlungen und Kundgebungen geplant.

Die Diskussion um Staatshilfen wird derweilen immer heftiger: Das Bundeswirtschaftsministerium stellte am Mittwoch klar, dass insolvente Firmen wie Schlecker nicht für Programmkredite der Staatsbank KfW antragsberechtigt seien. Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer verwies in einem Schreiben an Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid und die Stuttgarter Arbeitsministerin Katrin Altpeter (beide SPD) darauf, dass das Land zuständig sei, in dem das Unternehmen sitze. Auch hätten die Länder eigene Förderinstitute. Im Stuttgarter Landtag gab es zudem einen heftigen Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition zu der Thematik.

Verdi drängt unterdessen erneut auf die Staatshilfen - das "Schwarzer-Peter-Spiel" müsse endlich aufhören, fordert Gewerkschaftschef Frank Bsirske. Viele Beschäftigte seien über 50 Jahre alt und nicht gut ausgebildet - ihnen könne eine Transfergesellschaft helfen.

Für diese muss bis Ende des Monats die mit rund 70 Millionen Euro veranschlagte Finanzierung stehen, sonst droht den Tausenden Schlecker-Beschäftigten die Arbeitslosigkeit - sie schweben also weiter zwischen Hoffen und Bangen.

von Katharina Kaufmann und unserer Agentur