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Zwillingsfohlen tollen über die Weide

Lohra Zwillingsfohlen tollen über die Weide

"Toi, toi, toi, es ist alles gutgegangen." In Lohra freut sich Claudia Jung nach bangen Stunden über die quirligen Zwillingsfohlen ihrer Stute Apanatschi.

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Der Fuchshengst mit Stallnamen Urmel kam 20 Minuten nach der Geburt seines Bruders Durmel zur Welt. Die Besitzerin der Stute Apanatschi wusste bis drei Wochen vor der Geburt nicht, dass ihrer Stute tragend ist.

Quelle: Nadine Weigel

Die Geburt von Zwillingsfohlen ist selten – sehr selten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsgeburt liegt bei 0,015 Prozent. Für Claudia Junck lag die Wahrscheinlichkeit, dass ihrer Stute Apanatschi tragend ist, eigentlich bei null. Sie hatte 2011 nach einem Freizeitpferd gesucht und wurde bei einem Züchter in Berlin-Brandenburg fündig, der seinen Bestand verkleinern wollte. Gekauft hat sie die 9-jährige Schimmelstute im Mai 2011 telefonisch. Entscheidend war nicht das Aussehen, sondern der Charakter. Sie suchte ein Verlasspferd fürs Gelände, jetzt hat sie auf einen Schlag drei Pferde im Stall stehen. Das war so nicht geplant.

Bis zum 8. März war Junck gar nicht bewusst, dass ihre Stute Nachwuchs bekommt. Der voluminöse Bauchumfang von 2,60 Metern hatte Jung zwar mehr als stutzig gemacht – ganz zu schweigen von den hämischen Bemerkungen der Stallkollegen und der enormen Futterration, die Apanatschi täglich vertilgt hat. Aber eine tragende Stute hatte sie nicht gekauft.

Im Dezember setzte sie die Stute dann auf Diät. Mit geringem Erfolg: „Sie hat nicht mal einen Krümel Stroh übriggelassen“, erinnert sich Junck. Aber der Sattel habe trotzdem noch gepasst. Erst in den vergangenen Wochen musste Junck eine Gurtverlängerung kaufen, damit sie weiter ausreiten konnte. Und das hat sie bis zur Tierarztdiagnose auch getan. Doch dann hatte sich plötzlich der Bauch bewegt. Vor zwei Wochen war es dann so weit: Um 0.19 Uhr kam ein braunes Fohlen zur Welt, 20 Minuten die Überraschung: noch ein Fuchsfohlen.

Es war die erste Geburt, die die Lohraerin in den 30 Jahren ihrer Pferdezeit miterlebt hat. Deshalb saß der Schock tief, als sich die Nachgeburt bewegte. „Ich hatte ja keine Ahnung, und mit dem Thema Fohlen wollte ich mich eigentlich nicht beschäftigen“, sagt sie. Zwei Tage hat sie und ihr Patenkind Ann-Kathrin Junck um das Leben des Fuchshengstes, der mit Stallnamen Urmel heißt, gebangt. Mittlerweile ist er und auch Zwillingsbruder Durmel wohlauf. Es hätte aber auch anders ausgehen können. Zwillingsfohlen sind meist klein und schwach und haben in den ersten beiden Wochen kaum Überlebenschancen.

Ein Gentest soll nun Aufschluss darüber geben, wer der Vater der Fohlen ist. In Frage kommen der bekannte Westfalendeckhengst „Pluspunkt“, der 2011 im Alter von 25 Jahren eingeschläfert werden musste, und „Reitertraum“. Wenn sich herausstellt, dass „Pluspunkt“ der Vater ist, möchte der Züchter das Fohlen gern zurückkaufen. Vielleicht bleibt auch eines der Fohlen im Lohrarer Stall. Patenkind Ann-Kathrin reitet bis S-Dressur und wird die Entwicklung der beiden Apanatschi-Nachkommen ganz genau im Auge behalten.

 

Nächste Woche kommt die Pferdefamilie erst einmal zur Aufzuchtstation in die Nähe von Dillenburg. Dort besuchen die Junghengste den „Fohlenkindergarten“. Es sei sehr schwierig die „ungezogenen Jungen“ zu bändigen, um sie auf die Weide zu bringen. „Es ist mit sehr viel Aufwand verbunden, damit es funktioniert“, berichtet Claudia Jung.

Da für sie feststeht, dass es sich keinesfalls um einen Weideunfall handelt, sollen die Fohlen am 7. Juli das Brandzeichen des Oldenburger Zuchtverbandes erhalten. Die Tierschau findet in Wetzlar statt. „Eine Fohlenschau mit Zwillingen – das wird bestimmt spaßig“, sagt die 40-Jährige Besitzerin. Bei der Stallarbeit wird sie zurzeit unterstützt von Pferdepflegerin Madita Knop (12). Sie kümmert sich um die Stute und auch um das braune Hengstfohlen Durmel. „Sie sind beide sehr zutraulich“, sagt Madita, die jeden Tag im Stall ist.

von Silke Pfeifer-Sternke

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