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Zwei Jahre Gefängnis für Unternehmer

Prozess am Landgericht Zwei Jahre Gefängnis für Unternehmer

"Es lebe die Leidenschaft" habe wohl das Motto des ehemaligen Geschäftsführers der Römer Etikett GmbH & Co. KG geheißen - so formulierte es zumindest Staatsanwalt Oliver Rust in seinem Plädoyer und forderte dreieinhalb Jahre Haft.

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Deutlich zu spät hat der ehemalige Geschäftsführer der Römer Etikett GmbH & Co. KG aus dem Marburger Stadtteil Elnhausen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zuvor beglich er mit Firmenvermögen noch private Rechnungen – unter and

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dieser Forderung kam die Wirtschaftsstrafkammer des Marburger Landgerichtes allerdings nicht nach: „Wir halten zwei Jahre für Tat und Schuld angemessen“, erklärte der vorsitzende Richter Dr. Carsten Paul bei der Urteilsverkündung. Dennoch verhängte die Kammer zusätzlich eine Geldstrafe von 540 Tagessätzen zu jeweils 70 Euro - insgesamt also 37800 Euro.

Im Vergleich zu den Summen, die der 41-jährige frühere Geschäftsführer der Römer Etikett GmbH & Co. KG aus dem Marburger Stadtteil Elnhausen laut Staatsanwaltschaft veruntreut haben soll, ist dies noch wenig. Insgesamt 79 Handlungen waren angeklagt - alle räumte der Betriebswirt in einem Geständnis ein.

Trotz Zahlungsunfähigkeit von Römer Etikett soll er die Insolvenz mindestens fünf Monate zu spät angezeigt haben, schilderte Staatsanwalt Oliver Rust. In 37 Fällen soll er zwischen Juni und Dezember des Jahres 2010 zudem Unternehmensvermögen beiseitegeschafft und damitprivate Rechnungen beglichen haben. „Insgesamt wurden rund 260000 Euro über Barabhebungen und Kundenschecks von Unternehmenskonten auf Privatkonten gebucht“, berichtete Rust aus der Ermittlungsakte. Dieses Geld sei für Einkäufe in einem Modehaus, für die Miete einer Villa in Marburg und die Leasingraten für einen Porsche 911, einen BMW Z8, einen Porsche Cayenne und einen Ferrari verwendet worden. „Dadurch ist das Unternehmen geschädigt und das Stammkapital gefährdet worden“, so Rust.

Weil der Angeklagte Geld von den Geschäftskonten nahm, um damit sein Leben zu finanzieren, fehlte dieses letzten Endes auch, um in 41 Fällen die Sozialversicherungsbeiträge der Mitarbeiter bei deren Krankenkassen zu bezahlen.

In einer zweiten Anklage wurde dem 41-jährigen darüber hinaus vorgeworfen, im Oktober 2011 gegenüber dem Finanzamt eine falsche eidesstattliche Erklärung abgegeben zu haben: Im Vermögensverzeichnis fehlten laut Staatsanwaltschaft nämlich zwei Maserati, zwei Porsche und der BMW Z8 - Werte von insgesamt rund 359000 Euro.

Warum er diese Straftaten alle begangen habe, wollte Richter Paul vom Angeklagten während der gestrigen Hauptverhandlung am Landgericht wissen. Eine Erklärung hatte der Geschäftsmann aber nicht. Er wisse es nicht. „Aber ich weiß heute, dass es falsch war“, betonte er und entschuldigte sich.

Dennoch stellte die Wirtschaftsstrafkammer ihm in der Urteilsverkündung keine positive Sozialprognose aus. „Wir mögen nicht so recht erkennen, dass die eigenen Fehler auch als solche gesehen werden“, so Paul.

Auf die Frage des Richters, ob er denn als Grund für die Insolvenz des Familienbetriebs auch Fehler in seinen Handlungen sehe, hatte der Angeklagte erklärt: „Zu der Insolvenz haben konträre Marktentwicklungen geführt.“ Er habe versucht, das Unternehmen zu retten und Gespräche mit strategischen Investoren geführt. Eines davon sei vielversprechend gewesen, die schon schriftlich geschlossenen Verträge dann aber doch nicht umgesetzt worden. Seinen Lebensstandard einzuschränken habe er zwar erwogen, aber er habe ja Verträge zu erfüllen gehabt und Hoffnung auf eine Perspektive für das Unternehmen.

„Der Angeklagte ist seiner Verantwortung als Geschäftsführer von Römer Etikett gegenüber den Arbeitnehmern nicht gerecht geworden. Alle Taten dienten der eigenen Bereicherung“, schloss Staatsanwalt Rust in seinem Plädoyer. Dass die Wirtschaftsstrafkammer seiner Forderung nach dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe nicht nachkam, lag unter anderem am vollumfänglichen Geständnis, dass der 41-Jährige abgelegt hatte, und daran, dass er nicht vorbestraft war.

Weil sowohl der Angeklagte als auch der Staatsanwalt Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Katharina Kaufmann

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