Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Zusammensein weckt Erinnerungen

Bad Laasphe Zusammensein weckt Erinnerungen

Die Bewohner des August-Hermann-Francke-Hauses in Bad Laasphe haben unterschiedliche Erwartungen an die Zeit des Feierns von Weihnachten bis Neujahr.

Voriger Artikel
Steffenberger sichern sich den Sieg
Nächster Artikel
Runzhausen wird zur Theaterkulisse

Gemeinsam mit Sozialpädagogin Ivonne Böhm (Mitte) schmückten Bewohner des August-Hermann-Francke-Hauses vor dem Fest einen Weihnachtsbaum.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Bad Laasphe. Die meisten Menschen wünschen sich, Weihnachten mit der Familie zu verbringen. Für viele ist dies eine Selbstverständlichkeit – für manche aber auch nicht. Letzteres trifft auf zahlreiche Bewohner des August-Hermann-Francke-Hauses in Bad Laasphe zu, ein Wohnheim der Diakonie Sozialdienste für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Recht unterschiedlich sind die Wünsche und Erwartungen der Heimbewohner an das Weihnachtsfest. Für einige spielt das Thema Familie eine bedeutende Rolle – so etwa für eine 67-jährige Bewohnerin, die Weihnachten bei ihrer Verwandtschaft verbringt und sich darauf freut, an den Feiertagen ihre Enkelkinder zu sehen.

Das Feiern mit der Familie steht auch für einen 40-jährigen Bewohner im Mittelpunkt, der Weihnachten bei seinen Eltern feiert. „Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Menschheit sich ändert und Weihnachten wieder das Fest der Liebe und der Familie wird“, beschreibt er seine Erwartung an das Fest. Er finde es „furchtbar“, dass Weihnachten immer mehr zu einer „Kommerzgeschichte“ verkommen sei.

Die meisten seiner Mitbewohner verbringen die Feiertage allerdings im August-Hermann-Francke-Haus, dem Ort, der für viele von ihnen nicht nur auf dem Papier zum Zuhause geworden ist.Ohne besondere Erwartungen sieht ein 55-jähriger Bewohner dem Weihnachtsfest entgegen. „Ich frage mich“, sagt er, „warum der Mensch extra ein Weihnachten braucht, um sich von seiner guten Seite zu zeigen. Das war schon früher meine Meinung, daran hat sich nichts geändert.“ Weihnachten ändere nichts an den Problemen in dieser Welt, ist er sich sicher.

Stets wird an Heiligabend im Haus ein Nachmittagsprogramm geboten, das auf die Wünsche der Bewohner ausgerichtet ist – beispielsweise durch die Aufführung eines eigenen Krippenspiels, wie in diesem Jahr. Es ist Tradition im Haus, dass an Heiligabend ein Partyservice das Festessen liefert.

Für einige Mitarbeiter des August-Hermann-Francke-Hauses geht ein Stück Alltag über Weihnachten weiter. Sozialpädagogin Ivonne Böhm hat an Weihnachten Dienst. „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Auch Silvester bin ich hier. Und ich kann es mit den Bewohnern genießen, denn es macht ja auch Spaß.“ Über Weihnachten zu arbeiten, beweise den Bewohnern gegenüber Wertschätzung. „Das macht klar: Ihr seid wichtig.“

Dass die Personaldecke zwischen dem 23. und dem 31. Dezember nicht zu dünn sein darf, habe auch einen organisatorischen Hintergrund, erklärt Böhm: Dann sei nämlich der Betreuungsbedarf am größten.

Für Mitarbeiterin Esther Weigel aus Kleingladenbach ist der Dienst an Weihnachten ebenfalls nichts Ungewöhnliches. Seit sie im August-Hermann-Francke-Haus beschäftigt ist, habe sie immer am ersten Weihnachtsfeiertag gearbeitet, erklärt sie.

Arbeiten an Weihnachten ist auch für Irene Teutsch aus Wolzhausen, die in der Hauswirtschaft des Wohnheims tätig ist, alles andere als unnormal. Wer wann an der Reihe sei, das werde in der Hauswirtschaft stets drei Jahre im Voraus festgelegt, sagt sie. An Silvester sei jeder alle vier Jahre dran.

von Björn-Uwe Klein

Mehr lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP und bereits am Montagabend auf Ihrem iPad.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr