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Zu wenige Plätze in der „jungen Pflege“

Pflegebedürftigkeit Zu wenige Plätze in der „jungen Pflege“

Ein Unfall oder ein Schlaganfall und nichts ist mehr, wie es einmal war: Pflegebedürftigkeit betrifft nicht nur alte Menschen. Wer in jungen Jahren bereits zum Pflegefall wird, für den gibt es bislang kaum Einrichtungen.

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Bewohnerin Jennifer Preißer wird von Karsten Damm im Zentrum für Junge Körperbehinderte in Gladenbach aus dem Rollstuhl gehoben.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. 2,34 Millionen Menschen in Deutschland waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zum Jahresende 2009 pflegebedürftig. Während gut zwei Millionen davon ältere und hochbetagte Menschen sind und diese angesichts des demographischen Wandels auch meist im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion zum Thema Pflege stehen, wächst aber auch die Zahl derer, die bereits in jungen Jahren Pflege benötigen. Gut eine Viertelmillion der Pflegebedürftigen ist laut der Statistik zwischen 15 und 60 Jahren alt und knapp 35.000 davon werden stationär betreut.

Auch wenn das Credo lautet: „ambulant vor stationär“ – nicht immer gibt es im persönlichen Umfeld von Betroffenen eine Infrastruktur und Angehörige, die die Betreuung zuhause leisten können. Und stationäre Einrichtungen speziell für junge Pflegebedürftige sind bislang Mangelware in Deutschland.

Nach einer Untersuchung von Professor Eckehard Rohrmann, Erziehungswissenschaftler an der Marburger Phillips-Universität, lebten im Jahr 2000 in Hessen 1.400 Menschen unter 60 Jahren in Altenheimen. „An dieser Größenordnung dürfte sich nichts geändert haben“, sagt Rohrmann.

Altenheime sind aber nach Aussage von Experten allein vom Personalschlüssel her nicht auf die Anforderungen jüngerer Pflegebedürftiger ausgerichtet. Oft ist ein hoher pflegerischer Aufwand und eine Vielzahl therapeutischer Maßnahmen vonnöten. Interessen, Tagesablauf, Essgewohnheiten, die Ansprüche an die Körperhygiene oder die Teilhabe am öffentlichen und kulturellen Leben – ein 20-Jähriger hat außerdem in vielerlei Hinsicht andere Bedürfnisse als ein 80-Jähriger. „Viele ältere Menschen sind zufrieden, wenn sie gut versorgt sind, Jüngere wollen gern noch viele Dinge erleben“, erklärt Bernd Kruber, Geschäftsführer im „Zentrum für junge Körperbehinderte“ in Gladenbach.

Dort ist man spezialisiert auf junge Menschen, die durch eine Erkrankung oder einen Unfall neurologische Schäden erlitten haben.

von Nadja Schwarzwäller

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