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Hinterland Zores ums Rathaus hat ein Nachspiel
Landkreis Hinterland Zores ums Rathaus hat ein Nachspiel
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06:16 15.04.2012
Von außen betrachtet macht das Lohraer Rathaus einen guten Eindruck, drinnen gibt‘s allerdings zahlreiche Mängel. Quelle: Hartmut Berge

Lohra. Recht harmonisch verlief lange Zeit die jüngste Sitzung des Lohraer Gemeindeparlaments. Doch nachdem Bürgermeister Georg Gaul die geplanten Umbau- und Sanierungspläne für das Rathaus vorgestellt hatte, geriet Werner Waßmuth in Rage: „Ich bin sauer“, sagte der CDU-Fraktionschef.

Die Pläne seien in dieser Form in keinem Gremium besprochen worden, kritisierte er. Die Haushaltssicherungskommission mache sich Gedanken, wo in der Gemeinde noch Einsparungen vorgenommen werden könnten, und „wir denken darüber nach, ob wir uns noch alle Bürgerhäuser leisten können“. Und nun wolle man das Rathaus für 100.000 Euro umbauen. Die vom Bürgermeister genannten Gesamtkosten von 80.000 Euro zweifelte er an: „Wir wissen ja, wie das geht.“ Das Rathaus sei 1982 gebaut worden „und ist doch keine Bruchbude“.

Waßmuth forderte den Gemeindevorstand auf, die Gewerke nicht zu vergeben. „Das ist nach außen nicht mehr darstellbar“, sagte er.

Zu Waßmuths Vorwürfen entgegnete die Erste Beigeordnete Rosemarie Wolny, dass während der Haushaltsberatungen, bei denen sie Bürgermeister Georg Gaul vertrat, sehr wohl über die Detailplanung gesprochen worden sei. Es habe Fragen in der Sache gegeben und die habe der Planer beantwortet.

Gut eine Woche nach der Parlamentssitzung reichte Werner Waßmuth für die CDU-Fraktion einen Dringlichkeitsantrag ein, der in der kommenden Woche in den Sitzungen der Fachausschüsse und des Parlaments behandelt werden soll. Die Tagesordnungen der gemeindlichen Gremien werden noch umfangreicher, denn der Bürgermeister kündigte an, dass im Bauausschuss die räumliche Planung für den Rathausumbau und im Hauptausschuss die Erfordernisse aus organisatorischer Sicht dargelegt werden sollen. In dieser Woche erhielten alle Gemeindevertreter Post vom Gemeindevorstand: In dem Schreiben wird der Dringlichkeitsantrag der CDU beantwortet.

In diesem Antrag wird gefordert, das Ziel und das Gesamtkonzept der geplanten Umbauten und Sanierungen sowie die grundsätzlichen Aussagen des Gutachtens vorzulegen. Die Gemeindevertretung soll erfahren, was im Einzelnen an Umbauten und Sanierungen vorgesehen ist, was bereits ausgeschrieben und was womöglich vergeben wurde. Ferner soll der Gemeindevorstand darstellen, „mit welchen Ausgaben gerechnet wird, wenn alle Maßnahmen abgeschlossen sind und welche Risiken noch auftreten können, und mit welchen Ausgaben maximal zu rechnen ist, wenn alle Risiken einbezogen sind.

Der Gemeindevorstand erinnert in seinem Antwortschreiben, dass beim 1982 bezogenen Rathausneubau schon damals bauliche Mängel festgestellt wurden. Es gab ein erfolgreiches Klageverfahren gegen den verantwortlichen Architekten, zahlreiche bauliche Mängel wurden dokumentiert, Rechnungen an Bauunternehmen mussten nicht in voller Höhe gezahlt werden.

Was blieb waren die Mängel. In den vergangenen drei Jahrzehnten gab‘s keine großen Investitionen in die Unterhaltung des Gebäudes.

Der Zustand der Büroräume sei zum großen Teil schlecht bis sehr schlecht, heißt es weiter. In dem Antwortschreiben des Gemeindevorstandes wird an den politischen Entscheidungsprozess erinnert und die Kostenaufstellung dokumentiert (Bericht folgt).

von Hartmut Berge

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