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Lesen fördert die Meinungsbildung

Zeitung und Ausbildung in Hessen Lesen fördert die Meinungsbildung

Gut informiert zu sein ist die Grundlage jeder Meinungsbildung – dazu hat auch das Projekt „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ beigetragen, das nun seinen Abschluss fand.

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Im Gießener „Kinopolis“ fand die Abschlussveranstaltung des Projekts „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ statt. Alle Referenten ­verdeutlichten: Zeitung lesen verbessert das Allgemeinwissen und die sprachliche Kompetenz der Teilnehmer.

Quelle: Katrina Friese

Gießen. „Selber Denken macht schlau“, brachte es Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auf den Punkt. Während Hans Georg Schnücker, Vorsitzender des Verbands Hessischer Zeitungsverleger (VHZV), für das Gehirn feststellte, dass „es nur eine Möglichkeit gibt, diesen Muskel zu trainieren – das geht nur mit Lesen“.

Nachgedacht und gelesen haben die 152 Azubis aus dem gesamten Bundesland, die ein Jahr lang am Projekt „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ teilnahmen, in diesem Zeitraum wahrlich eine Menge.

Sie alle bekamen nämlich zwölf Monate lang ihre örtliche Tageszeitung, finanziert vom jeweiligen Arbeitgeber, nach Hause geliefert. Und mussten allmonatlich ihr angelesenes Wissen zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport bei Online-Tests beweisen. Dass dies offensichtlich hervorragend geklappt hat, zeigte sich bei der Abschlussveranstaltung am Mittwoch im Gießener „Kinopolis“.

Regionale Tageszeitungen mit hoher Glaubwürdigkeit

„Sie haben einen deutlichen Wissensvorsprung gegenüber vor einem Jahr gewonnen“, attestierte der wissenschaftliche Projektleiter Professor Gregor Dasch­mann vom Institut für Publizistik der Universität Mainz seinen jungen Zuhörern. Wer unter diesen skeptisch war, ob das nicht genauso gut auch online oder auf dem Smartphone gegangen wäre, brachte Daschmann entgegen, dass beim Lesen einer gedruckten Zeitung „die Art der Selektierung eine andere ist“. Denn dies sei „eine anspruchsvolle kognitive Leistung“, bei der man Themen entdecken könne, „von denen Sie vorher gar nicht gewusst haben, dass diese interessant sind“. Zumal online anklickbare Hyperlinks oft nur aus einem einzigen Wort bestünden und keine Auswahl böten.

Schnücker zeigte sich zwar realistisch, dass „die Zeit vorbei ist, in der man nur offline leben kann. Dafür ist die Welt heute zu vernetzt“. Doch gebe es für all jene, die sich zum Beispiel zur Wahlentscheidung über die Parteien und Kandidaten der bevorstehenden Bundestagswahl informieren wollten, „keine bessere Möglichkeit als Tageszeitungen“. Denn hier habe man es mit „unabhängigen Medien“ zu tun, mit Journalisten, die Artikel gründlich recherchieren und sich verantworten müssten, wenn Unwahres darin stehe. „Regionale Tageszeitungen zeigen höchste Glaubwürdigkeit“, sah Schnücker hierin das Gegenstück zu „Fake News“, wie sie etwa US-Präsident Donald Trump regelmäßig verbreite.

„Schon der Begriff ‚Lügenpresse‘ ist eine infame Lüge“, pflichtete Grabe-Bolz ihrem Vorredner bei und beklagte, „wie schnell sich ‚Fake News‘ heute in der Welt verbreiten“. Mit der Konsequenz, „dass viele Menschen sie glauben, weil sie diese falschen Nachrichten für möglich halten“, wenn dieses „Gedanken-Gift“ immer wieder etwa auf Online-Plattformen auftauche. So könnten „aus Ängsten schnell Realitäten“ werden, folgerte die Oberbürgermeisterin.

„Sie haben die Verantwortung für die Zukunft dieses Landes“

Wer hingegen regelmäßig Tageszeitung lese – selbst wenn jedes Mal „nur ein Krümel neuer Informationen“ hinzukomme –, entwickele mit der Zeit „ein Verständnis für die neuen Dinge, die aufgenommen werden“ und erhalte das dazu notwendige Hintergrundwissen, verdeutlichte Daschmann. Ganz abgesehen davon „fördert Lesen die Fantasie“, fügte er hinzu.

„Sie haben die Verantwortung für die Zukunft dieses Landes, in dem Sie leben möchten, und Sie sind die Zukunft“, appellierte Schnücker an die Auszubildenden, von der Möglichkeit, sich per Zeitungslektüre zu informieren, Gebrauch zu machen. Sei es nun in gedruckter Form oder digital, wie das etwa ein E-Paper bietet. Denn „gut informiert zu sein, ist die Grundlage jeder Meinungsbildung“, betonte Grabe-Bolz. „Deshalb werden wir als Stadt Gießen Ihr Zeitungsprojekt immer gerne unterstützen.“

Schnücker dankte wie auch Grabe-Bolz, Daschmann und Dirk Glock – der VHZV-­Geschäftsführer übernahm die Moderation – allen Azubis und deren Arbeitgebern für die ­Projektteilnahme und ­-unterstützung. „Ich hoffe, dass Sie auch nach Projektende ­dranbleiben und weiterhin ­Zeitung lesen“, gab Schnücker den jungen Leuten mit auf den Weg.

von Frank Oliver Docter

„Zeitung und Ausbildung in Hessen“ ist ein Projekt des Verbandes hessischer Zeitungsverleger mit dem Ziel, Allgemeinwissen und sprachliche Kompetenz von Auszubildenden zu erhöhen.

Dazu erhalten die Azubis aller teilnehmenden Unternehmen ein Jahr lang die Ausgabe einer regionalen Tageszeitung. Über ein Online-Portal nehmen sie zudem monatlich an Wissens- und Kompetenztests mit Fragen zu Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport teil. Mittels einer Vergleichsmessung wird nach dem Projektjahr ermittelt, welchen Effekt die regelmäßige Zeitungslektüre – in Verbindung mit begleitenden Aufgaben – auf die Kenntnisse und Ausdrucksfähigkeiten der Teilnehmer hat.

Auch an der jüngst beendeten vierten Auflage der hessenweiten Initiative nahm die Oberhessische Presse teil.

Für die Neuauflage der Aktion sind noch für kurze Zeit Anmeldungen möglich. Informationen und Anmeldung: Franziska Wagner, Leiterin Lesermarkt der OP, Telefon: 06421/409-104, E-Mail: 
 franziska.wagner@op-marburg.de

 
Einen weiteren Artikel über die Veranstaltung lesen Sie hier.
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