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Wüste Schlägerei unter Buchen

Aus dem Gericht Wüste Schlägerei unter Buchen

Wie lief die Schlägerei im Katzenbacher Forst im Winter 2010 wirklich ab? Damit beschäftigte sich das Arbeitsgericht in Gießen - vorerst erfolglos. Eine Auflösung hat es nicht gegeben.

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Mit zwei verschiedenen Versionen einer Schlägerei hatte es das Arbeitsgericht Gießen bei einem Gütetermin am Freitag zu tun. Ein Waldarbeiter hat auf Schadensersatz geklagt, nachdem er sich beim Helfen den Finger schwer verletzt hatte.Archivfoto

Gießen. Eine Schlägerei bei Holzfällarbeiten zwischen einem Waldarbeiter und dem Revierförster war der Hintergrund einer Klage am Arbeitsgericht. Der Kläger zog sich einen knöchernen Sehnenabriss am Mittelfinger zu, als er dem Revierförster zu Hilfe kam, als dieser von seinem Arbeitskollegen niedergeschlagen und sogar gewürgt worden sein soll.

Bis heute könne er seine Hand nicht richtig schließen, und der Finger bleibe dauerhaft beschädigt, so der Kläger. Er fordere daher neben dem Schmerzensgeld auch Schadensersatz für die Zeit, in der er keine Arbeiten im Haushalt erledigen konnte und seine Familie und Freunde aushelfen mussten.

Auslöser der Streitigkeiten war ein Foto, das der beklagte Waldarbeiter vom Förster gemacht hatte. Damals lag hoher Schnee, der Waldarbeiter wollte dokumentieren, dass bei diesen Witterungen gar keine Holzfällarbeiten möglich seien. Dabei habe er auch ein Foto vom Förster gegen dessen Einverständnis gemacht. Das Bild sollte beweisen, dass der Förster statt des vorgeschriebenen Schutzhelmes nur einen Hut aufhatte. Bis hierhin waren sich beide Parteien über die Geschehnisse einig. Von nun an aber schieden sich die Geister:

Laut Kläger soll der Waldarbeiter den Förster niedergeschlagen haben und dann auf ihn gesprungen sein - wobei dieser einen Rippenbruch erlitt. Anschließend habe der Beklagte auf den Förster weiter eingeschlagen und ihn sogar gewürgt, sodass der Förster „um sein Leben“ schrie. Beim Eingreifen des Beklagten habe er die Verletzung erlitten, als er mit dem Mittelfinger zwischen zwei Äste gekommen sei.

Der Beklagte widersprach dieser Schilderung und erläuterte Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle, dass er den Förster lediglich am Kragen packte, nachdem dieser ihm die Kamera entrissen hatte.

„Ich wollte meine Kamera wieder zurück“

Daraufhin habe der Forstbeamte ihn umgerissen, sodass er auf den Förster fiel. Bei dem Gerangel um die Kamera habe er sogar dessen Finger „aufbiegen“ müssen, um endlich wieder in den Besitz seines Apparates zu gelangen. „Ich wollte nur meine Kamera wieder zurück“, beteuerte der Beklagte. Die Hilferufe des Försters seien eher wie beim „Petzen einer Schulhofschläge­rei“ gewesen, so der Beklagte - auch wenn er sich kein Urteil über die Schmerzen seines Kontrahenten erlauben wolle.

Anschließend habe er seine Sachen gepackt und sei zum Forstamt gefahren, um den Vorfall zu schildern. Dabei habe er auch erfahren, dass der Förster bereits wenige Tage zuvor bei einer Großjagd in Katzenbach eine Rippenverletzung erlitten habe, „von der jetzt niemand mehr etwas wissen möchte“. Er komme sich vor wie bei einer Hetzjagd gegen ihn.

Die Problematik sah Rühle in den unterschiedlichen Darstellungen. Auch sei der materielle Schaden „nur schwer greifbar“, da ja kein auszugleichender Schaden bestünde, wenn die Ehefrau oder Freunde die Arbeiten im Haushalt übernehmen. Der immaterielle Schaden sei durch das Schmerzensgeld abgedeckt. Eine Schuld wollte der beklagte Waldarbeiter nicht eingestehen und lehnt eine Einigung ab. Nun muss ein Kammertermin die Lösung bringen.

von Timo Scheibe

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