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Wo die Bierkästen Motoren haben

Hinterland Wo die Bierkästen Motoren haben

Die Testfahrt eines Hommertshäuser Modellbaumechanikers auf einem fahrenden Bierkasten wird vermutlich nicht folgenlos bleiben.

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Freuen sich über die Aufmerksamkeit für ihr Bierkasten-Mofa auf vier Rädern (von links): Felix Ehrling, Stefan Bamberger, Constantin Ehrling und Sebastian Kolbe.

Quelle: Gianfranco Fain

Hommertshausen. Gokart, Quad oder doch Mofa? Rund 20 Neugierige sind auf das von einem Traktor mit Anhänger abgesperrte Betriebsgelände von Malermeister Donges gekommen, um das Gefährt in Aktion zu erleben, das als fahrende Bierkiste landesweit Berühmtheit erlangte.

Vier kleine Räder an einem Metallrahmen, Fahrradlenker, Mofa-Motor, Kette, eine Flasche für den Treibstoff, ein überlanges Auspuffrohr, eine grüne Bierkiste und ein braunes Sitzpolster haben drei Lehrlinge und ein Geselle des Betriebs „Lahnwerk Biedenkopf“, wo Formen für Automotoren hergestellt werden, zur heißen Bierkutsche zusammengebaut.

„Es fährt sich wie ein Gokart und ist 25 oder 40 Stundenkilometer schnell – je nachdem, wer draufsitzt“, erklärt Stefan Bamberger. Die Maximalgeschwindigkeit wird erreicht, wenn der jüngste und zugleich leichteste der Bastler auf dem gepolsterten Lederimitat sitzt. Das Gefährt sei auf den Vorschlag von drei Auszubildenden entstanden, berichtet der 24-jährige Modellbaumechaniker.

Der 17-jährige Constantin Ehrling habe eine Bauanleitung im Internet gefunden und habe ihn mit Felix Ehrling (20) aus Buchenau und Sebastian Kolbe (18) aus Hommertshausen gefragt, ob sie so etwas nicht auch bauen könnten.

Im Betriebsschlosser Uwe Stenzel fanden sie einen Unterstützer. Der gelernte Kraftfahrzeugmeister schweißte den Rahmen und stiftete aus seiner Sammlung einen 25 Jahre alten Puch-Mofa-Motor. Gerne habe er diesen den „Jungs“ gegeben, sagt der Silberger. „Besser, sie stellen etwas her, was sie gebrauchen können und lernen auch noch etwas dabei, als ständig diese virtuellen Sachen zu spielen“, ergänzt er.

Die Entwicklung und die Montage streckte sich über mehrere Wochen, letztlich kam aber eine Woche reiner Bauzeit zusammen, schätzt Sebastian Kolbe. Dann war es Zeit für die „offizielle erste Probefahrt“, wie Bamberger sie nennt. Auf der sorgte das Gefährt für Aufsehen und interessierte Beobachter.

Gokart, Quad oder doch Mofa? Diese Frage stellten sich vermutlich auch die sechs Polizisten, die auf dem Nachhauseweg in einem Bus durch Hommertshausen fuhren, und Bamberger anhielten. „Sie waren alle begeistert“, berichtet Bamberger. „So etwas hatten sie noch nicht gesehen“, sagt er nicht ohne Freude. Diese verflog allerdings, als die Polizisten nach anerkennenden Bemerkungen doch meinten, dass sie das Gefährt einziehen müssten. Keine Betriebserlaubnis, kein Kennzeichen, keine Versicherung lautete das Ergebnis ihrer Aufnahme. Dafür aber auch kein Alkohol intus – weder im Kasten noch im Fahrer.

Bamberger konnte aber einen Führerschein der Klasse B vorweisen. Nun rechnet er mit bis zu sieben Punkten in Flensburg. Wie viele es werden, liegt in der Hand der Staatsanwaltschaft und des Gerichts, die die Ordnungswidrigkeit (fehlendes Kennzeichen) und die Straftat (Verstoß gegen die Pflichtversicherung) bewerten muss.

von Gianfranco Fain

Zum Video geht es hier.

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