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Wo das "Piepen" zum Alltag gehört

Ausbildungsserie Wo das "Piepen" zum Alltag gehört

"Wenn Sie das Piepen hören, heben Sie einfach den Finger", sagt Gabriele Suffert Tag für Tag und mit fliegenden Finger bedient sie die Tastatur ihre Computers. Hörtests gehören zum beruflichen Alltag von Hörgeräteakustikern.

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Die Hörgeräteakustiker-Meisterin Gabriele Suffert macht bei Sven D. Jerschow von der Marburger Arbeitsagentur einen Hörtest. Per Finger wird dabei angezeigt, wenn ein Ton wahrzunehmen ist.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. „Hörgeräteakustiker versuchen, Menschen mit Hörschwierigkeiten mit technischen Möglichkeiten über diese Behinderung hinweg zu helfen“, erklärt Gabriele Suffert. Was im ersten Moment so einfach klingt, ist es in Wirklichkeit gar nicht. Die Inhaberin des Hörstudios Suffert in Marburg macht auch schnell deutlich warum: „Unsere Aufgabe ist die exakte Anpassung der Hörhilfen - und da gibt es ungefähr eine Million Einstellungsmöglichkeiten.“

Der Hörgeräteakustiker ist ein Handwerksberuf, auch wenn dabei viel an und mit dem PC gearbeitet wird. „Alles basiert auf der Verstärkertechnik und unterliegt einem stetigen Wandel“, sagt Suffert. Wichtig für die Arbeit als Hörgeräteakustiker sei allerdings der Umgang mit den Menschen. „Man muss kommunikationsfähig und freundlich sein“, betont die Handwerksmeisterin. Schließlich müsse dem Kunden etwas verkauft werden, was dieser psychologisch meist gar nicht haben wolle. „Dennoch haben die meisten Menschen mehr Spaß am Leben, wenn sie wieder alles hören. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg“, so Suffert.

Auch die Auszubildenden haben einen langen Weg vor sich: Drei Jahre dauert die Lehrzeit, viel Theorie muss gepaukt und schließlich in die Praxis umgesetzt werden. „Das Wissen wächst quasi nach und nach“, erläutert die Hörstudio-Inhaberin. Ohne Theorie funktioniere die Praxis nämlich nicht.

Hat man die Praxis erlernt und die Ausbildung abgeschlossen, muss mit Lernen noch lange nicht Schluss sein: „Der Beruf bietet riesige Vielfalt und ein hohes Entwicklungspotenzial“, berichtet Suffert. So könne der Meister gemacht oder ein Studium angeschlossen werden. „Der Hörgeräteakustiker ist kein schrumpfendes, sondern ein wachsendes Handwerk“, betont sie. Ihr Ziel ist es, den eigenen Fachkräftebedarf über die Ausbildung zu decken. Derzeit sind im Hörstudio Suffert zehn Mitarbeiter beschäftigt, fünf davon sind ausgebildete Hörgeräteakustiker. Zudem bildet Gabriele Suffert vier Auszubildende aus und versucht, jedes Lehrjahr zu besetzen.

Das ist aber nicht immer ganz so einfach: Im Umkreis von rund 50 Kilometern um Marburg sind derzeit bei der Arbeitsagentur noch elf offene Lehrstellen für Hörgeräteakustiker gemeldet. „Wer diesen Beruf lernt, hat nach der Ausbildung auf jeden Fall sehr gute Zukunftschancen, wenn er ein bisschen flexibel ist“, betont auch Sven D. Jerschow, Arbeitsvermittler bei der Marburger Agentur für Arbeit.

Gabriele Suffert nimmt ihrerseits gerne Praktikanten, die Lust haben, in den Beruf hineinzuschnuppern, „denn nur durch das Ausprobieren, weiß man nachher, ob der Beruf wirklich zu einem passt“.

In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Marburg stellt die OP Ausbildungsberufe vor, die bei jungen Leuten wenig bekannt sind, für die von heimischen Betrieben aber händeringend Bewerber um Lehrstellen gesucht werden.

von Katharina Kaufmann

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