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"Wir sind zutiefst schockiert"

Geburtshilfe-Station "Wir sind zutiefst schockiert"

Die Bürgermeister des Hinterlandes setzen sich mit aller Kraft für den Erhalt der Geburtshilfe­Station des Biedenkopfer DRK-Krankenhauses ein.

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Biedenkopf. Es ist ein schwieriges Unterfangen, die von dem Aus bedrohte Geburtshilfe-Station zu retten - vor allem, weil die Rathauschefs des Hinterlandes zunächst nur Appelle an die Verantwortlichen richten können. Doch davon wollen sie sich in ihrem Handeln nicht beeinflussen lassen, berichteten gestern Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig und Breidenbachs Gemeindeoberhaupt Werner Reitz, der gleichzeitig auch Sprecher der Hinterländer Bürgermeister ist.

„Wir sind zutiefst schockiert und besorgt“, sagte Thiemig.

Er hat, wie auch sein Breidenbacher Amtskollege, erst aus den Medien über die dro­hende Schließung erfahren. Viele Bürger wollen nicht, dass das Krankenhaus die Geburtshilfe-Station schießt, ebenso wenig die Bürgermeister, die sich seit dem Bekanntwerden intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Gestern führten sie ein Gespräch mit drei von 14 Hebammen, deren Verträge zum 31. März auslaufen, und mit Belegärzten. Zuvor hatte ein Gespräch mit dem Vorstand des DRK-Kreisverbandes stattgefunden. Man habe ein rundes Bild bekommen wollen, da das Thema Gesundheitsversorgung ein komplexes Gebilde sei.

Die Besorgnis sei groß, ebenso die Empörung, erklärte Thiemig. Die Geburtshilfe-Station sei Anlaufstelle für Schwangere aus der gesamten Region: von Hatzfeld, Lahntal, über Bad Endbach, Steffenberg und Bad Laasphe. Und die DRK-Station genieße einen guten Ruf. „Der Super-GAU darf nicht eintreten. Wir wollen alles dransetzten, um sie zu erhalten“, ergänzt Thiemig.

Die Hinterländer Bürgermeister appellieren an alle Verantwortlichen, den Erhalt der Geburtshilfestation zu gewährleisten. Der Appell richtet sich an den DRK-Kreisvorstand, die ortsansässigen Belegärzte, an das Land Hessen und den Bund.

„Wir fordern den Bund als Aufsichtsbehörde des Versicherungswesens mit Nachdruck dazu auf, tätig zu werden. Denn Grund für die drohende Schließung sind steigende Versicherungsprämien. Die Prämien der Belegärzte sollen von 65000 Euro auf bis zu 250000 Euro pro Jahr ansteigen. Dem stehen laut Frauenarzt Michael Hoffmann nur Einnahmen von 100 bis 200 Euro pro Geburt gegenüber. Wenn die Kosten steigen, müssten auch die Fallpauschalen, das Abrechnungssystem der Krankenhäuser, verändert werden. Diesen Kostenfaktor müsste die Allgemeinheit tragen“, sagt Thiemig. Auch solle das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung gesucht werden.Bürgermeister Reitz geht davon aus, dass eine Vervierfachung der Kosten jeden Betrieb in die Schieflage bringt.

Daher wird er sein Möglichstes tun, die Schließung abzuwenden. Auch den Kontakt zu Landrat Robert Fischbach wollen die Hinterländer Bürgermeister suchen, um die Gesundheitsregion nicht ins Aus treiben zu lassen.

„Wir müssen die Notbremse ziehen, sonst gerät die Geburtshilfe-Station in die Unfinanzierbarkeit“, erklärte Thiemig. Als nächstes wollen die Bürgermeister gemeinsam ein Schreiben formulieren, das den Verantwortlichen vor Augen halten soll, wie wichtig die Geburtshilfe-Station für Biedenkopf ist.

Aber die Bürgermeister wollen nicht nur Papiertiger sein.

Sie wollen aktiv sein und mobilisieren. Gestern Abend stand zum Beispiel ein Besuch von Thorsten Schäfer-Gümbel in Breidenbach auf dem Programm. Das Treffen will Reitz dazu nutzen, dem SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl die Lage zu schildern. Auch mit dem Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (SPD) haben die Bürgermeister schon gesprochen, als nächstes steht noch ein Treffen mit dem Hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) an.

Aber auch die Bürger sind aktiv. Es hat sich bereits eine facebook-Gruppe gegründet, der 1700 Menschen beigetreten sind. „Innerhalb weniger Tage“, bestätigte Thiemig, der viele Gespräche mit besorgten Bürgern zur drohenden Schließung führt.

Und Thiemig weiß: „Nur mit vielen Menschen aus der Region kann man Druck ausüben“.

Auch hält er es für notwendig, dass über weitere Formen der Kooperation des DRK-Krankenhauses nachgedacht wird. Man müsse sich zusammenschließen, um stärker zu sein. Schließlich handele es sich nicht um ein typisches Biedenkopfer Problem. Es müssten Denkan­stöße erfolgen, damit neue Modelle die Existenz der Biedenkopfer Geburtshilfe-Station langfristig sichern können.

„Wir wollen Gesundheitsregion bleiben“, betonte der Biedenkopfer Rathauschef.

von Silke Pfeifer-Sternke

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