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"Wir müssen Ross und Reiter nennen"

Gesundheitspolitisches Montagsgebet "Wir müssen Ross und Reiter nennen"

Die Zukunft des Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) wird unvermindert scharf debattiert. Ehrlichkeit in dieser Auseinandersetzung führt zu konstruktiven Lösungsvorschlägen - das meint Professor Michael Lohoff.

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Marburg. Erst im vergangenen halben Jahr sei er in seiner Überzeugung zu einem Privatisierungsgegner geworden, sagte Professor Dr. Michael Lohoff, nachdem er seinen Platz hinter dem Rednerpult in der Elisabethkirche eingenommen hatte. Der Mikrobiologe konzentrierte sich bei seinem Vortrag auf die Art der Diskussionsführung in der bisherigen Debatte um das UKGM. Zunächst gelte es, das oft gezeichnete Bild des Rhön-Konzerns als „amorphe Kracke oder bösem Drache, den es zu erlegen gilt“ zu hinterfragen. Hinter den negativen Auswirkungen für Klinikpersonal und Patienten gäbe es auch immer Menschen, die zuvor Entscheidungen getroffen haben. „Es gibt konkrete Personen, die konkrete Dinge getan haben. Und diese Dinge gilt es zu benennen“, sagte Lohoff. Allzu oft sei die geäußerte Kritik zu Allgemein gehalten.

Positiv bewertete Lohoff das Verhalten von UKGM-Chef Martin Menger, der sich sofort nach seiner Einsetzung der öffentlichen Kritik gestellt habe. „Eine Bundesregierung hat in der Regel vier bis fünf Monate Narrenfreiheit, um sich einzufinden. Diese Eingewöhnungsphase hat sich Menger nicht genommen“, so Lohoff. Nach dem nun aber das Konzept des Unternehmensberaters McKinsey zur Konsolidierung des Klinikums vorliege, müsse sich auch Menger beweisen.

Wichtig sei für alle Privatisierungsgegner bei ihrer Argumentation nicht von „denen da oben“ zu sprechen, sondern die Kritikpunkte offen zu äußern, sagte Lohoff. Er geht weiterhin davon aus, das Fehler, die konkret benannte werden,dazu führen, das auch der Empfänger sein Verhalten überdenkt. „Emotional geäußerte Kritik wischt man einfach weg - das macht es den Kontrahenten zu einfach“, sagte Lohoff.

Mit Blick in die Zukunft des Gesundheitswesens sprach sich Lohoff für ein Umdenken aus: „Wir müssen erkennen, dass wir selbst für unsere Gesundheit verantwortlich sind und eben nicht immer sagen: die Versicherung zahlt das schon - jemand anderes ist dafür zuständig“. Die Alterspyramide habe sich nachhaltig geändert, sodass die Versorgung nicht mehr so gegeben sei, wie es noch in der Vergangenheit der Fall war.

So werde bald jede Operation, ihren Preis haben und die Gesundheit damit auch, sagte der Marburger Fachmann für Hygiene. Die Lösung für dieses Versorgungsproblem liege jedenfalls nicht in einer Privatisierung, dies habe die Erfahrung gezeigt. Ein solides Finanzierungssystem müsse etabliert werden - davon sei das UKGM aber weiterhin „meilenweit entfernt“, sagte Lohoff.

Seit mehr als einem halben Jahr hat das Aktionsbündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ Unterschriften gegen den Stellenabbau am Universitätsklinikum gesammelt. Dabei kamen über 43000 Unterschriften zusammen. Bei der offiziellen Übergabe in Wiesbaden hatte sich die zuständige Ministerin Eva Kühne-Hörmann keine zehn Minuten Zeit genommen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war gar nicht zugegen.

Um ihren Forderungen nach einem klaren Nein zum Stellenabbau weiter Nachdruck zu verleihen, hat sich das Bündnis darauf verständigt, während eines Aktionstags weitere Unterschriften zu sammeln. Dazu können die Organisationen, die das Bündnis unterstützen, nach Absprache mit dem Ordnungsamt einen Stand reservieren. Am Samstag, 27. Oktober von 10 bis 14 Uhr sind folgende Plätze dafür vorgesehen: Oberer Marktplatz, Hanno-Drechsler-Platz, Elisabeth-Blochmann-Platz, Heumarkt, Obere Gutenbergstraße, Bahnhofstraße, Marktgasse, Gerhard-Jahn-Platz, Friedrichstraße/Frankfurter Straße, Markpltz-Richtsberg.

Stände können bis zum 19. Oktober unter de Email-Adresse Ordnungsamt@stadt-marburg.de angemeldet werden. Die Organisatoren bitten für die Planung um eine Email an: jan.schalauske@die-linke-marburg.de.

von Dennis Siepmann

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